Berliner Anstoß Ausgabe März 2015

Frauenfragen sind Klassenfragen: Internationaler Frauentag 2015

Aufruf zum Berliner Ostermarsch 2015

Berlin-Telegramm

Berlin will die Olympischen Spiele nicht - weder 2024 noch 2028!

Anti-Kriegs-Revue zum Frauentag 2015

Antifa-Kiezspaziergang

Abgang eines Brandstifters: Der Neuköllner Bezirksoberbürgermeister Buschkowsky tritt ab

Flüchtlinge in SS-Baracken!?!

Berliner Betriebs-Telegramm

Händel und die DDR
Ein Kirchenmusiker und Sozialrevolutionär

Brandt hat das Wort

Spurensuche: Der Admiralspalast






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Frauenfragen sind Klassenfragen
Internationaler Frauentag 2015

Am 8. März werden Genossinnen und Genossen der Berliner DKP vor der Charité und den Vivanteskliniken an die dort beschäftigten Frauen zum Internationalen Frauentag rote Nelken und eine Extraausgabe des SCHRITTMACHER, der Zeitung der Berliner DKP für die Beschäftigten im Gesundheitswesen, verteilen. Fast allen, die dort arbeiten, sind die personellen Mißstände an ihren Kliniken und die Klassenmedizin im Wirtschaftsunternehmen Gesundheitswesen der BRD bewußt. Allerdings organisieren sich noch nicht genügend von ihnen in Gewerkschaften, um für ihre Rechte zu kämpfen, um gegen die für Personal und Patienten unwürdige und zum Teil menschenverachtende und sogar lebensgefährliche Gesundheitspolitik zu streiten. Die Nelkenaktion soll ein Anstoß sein, sich der eigenen Lage bewußt zu werden, nach den Ursachen dafür zu fragen und sich dagegen zu wehren.

Dazu Clara Zetkin im Jahr 1920: „Genossen und Genossinnen, die Frage drängt sich auf, ob wir unter den breitesten Frauenmassen ein Heer von entschlossenen, aktiven Mitkämpferinnen sammeln können. (…) Noch unmittelbar vor dem Kriege war die Zahl der berufstätigen Frauen, die in erster Linie in den Bannkreis der sozialistischen Idee gezogen wurden, verhältnismäßig klein. Aber der Krieg und seine Auswirkungen, der verfallende Kapitalismus, haben das Rekrutierungsfeld für eine aktive Armee kommunistischer Kämpferinnen ganz bedeutend erweitert.“    

Der Internationale Frauentag wurde durch die Initiative von Clara Zetkin seit mehr als 100 Jahren fester Bestandteil des weltweiten Klassenkampfes, der immer mit politischen Forderungen verbunden war.  

Das erste Dekret der Sowjetmacht war das Dekret über den Frieden. In der DDR sprachen wir von der Erhaltung des Friedens, und wir kämpften darum gemeinsam mit den Staaten des Warschauer Vertrages. Heute ist unsere wichtigste politische Forderung die Wiederherstellung des Friedens. Konkret bedeutet das die Beendigung der imperialistischen Kriege, besonders der Kriege in und gegen Syrien und im gesamten Nahen und Mittleren Osten, des Krieges  in der Ukraine und die Rücknahme der Einkreisung und Bedrohung Rußlands durch die NATO. Ganz aktuell wurde bekannt, daß die Bundeswehr ein neues Weißbuch erstellen will, in dem es um die künftigen Strategien gehen wird.  

 In der DDR war die soziale Gerechtigkeit, zu der auch das verfassungsrechtlich verankerte Recht auf Arbeit gehörte, die zweite Säule der Politik. Die Beteiligung an Kriegen auf unterschiedliche Weise – auch durch Waffenlieferungen – kostet die BRD enorme Summen, die von den Steuerzahlern aufgebracht werden. Gerade ihnen, die das alles zahlen, werden die Kürzungen und Einsparungen im sozialen Bereich auferlegt – z. B. beim Kindergeld, bei Bildungsausgaben, im Gesundheitswesen und bei den Renten. Hartz IV und die ständig wachsende Armut sind selbstverständlich geworden. Frauen sind – besonders als Alleinerziehende – aufgrund oft geringerer Einkünfte mehr gefährdet als Männer. In der DDR erhielten sie eine besondere staatliche Unterstützung. Heute sind Arbeitskämpfe und Kämpfe gegen den Sozialabbau nötig. Sie müssen organisiert werden, und sie betreffen Frauen und Männer.  


Dazu wieder Clara Zetkin: „Wir zeigen ihnen (den schaffenden Frauen), daß auch Reformen ihr eigenes Werk, das Werk des kämpfenden Proletariats sein müssen. Wir beweisen ihnen durch Theorie und Praxis, durch Wort und Tat, daß heute, in der Zeit des zugespitzten Klassenkampfes zwischen Bourgeoisie und Proletariat, auch das Ringen für die bescheidenste Linderung unerträglicher sozialer Übel ein Teil des großen proletarischen Kampfes ist zur Niederzwingung der kapitalistischen Macht, daß es also dabei gilt, Macht gegen Macht zu stellen. Wir zerstören mithin auch in den Kämpfen für Reformen die Illusionen der schaffenden Frauen über die Reformwilligkeit der besitzenden und herrschenden Klassen und ihres reformwilligen Staates und setzen an ihre Stelle das Vertrauen in die eigene Kraft und die Überzeugung von der Notwendigkeit des Kampfes für die Revolution [zur Beseitigung] der bürgerlichen Gesellschaft. So bleibt der Kampf für die Eroberung der politischen Macht das A und O unseres Wirkens.“

Es liegt noch ein langer Weg vor uns, aber wir wissen, daß er keine Utopie ist.
Renate Schönfeld

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Berlin-Telegramm

SPD mit Wahrnehmungsstörung
Der Fraktionsvorsitzende und gescheiterte Bürgermeisterkandidat der SPD, Saleh, warnt vor geistigen Brandstiftern. Auf der Klausur seiner Fraktion machte er sich Gedanken über „fremdenfeindliche Demonstrationen“ und „Brandstiftung an den Grundmauern der Demokratie“. Es werde eine „aggressive Stimmung gegen Minderheiten“ geschürt und die CDU solle zur Aussage Merkels stehen, dass der Islam zu Deutschland gehört. „Alles falsch!“ meint Heinz Buschkowsky, der nunmehr Ex-Bürgermeister von Neukölln, und schimpft gegen Merkel. Der ist wiederum in der SPD und fiel in der Vergangenheit durch rassistische Äußerungen in seinen Büchern auf. Dieser geistige Brandstifter wird aber von Saleh verteidigt, weil er „keine Kinder aufgibt“. Und da war noch Thilo Sarrazin, auch ein geistiger Brandstifter in der SPD. Saleh, ein Fraktionsvorsitzender mit Wahrnehmungsstörungen?

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BVG mit U-Bahn Problemen
Gemeinhin wird bei Investitionsmängeln im öffentlichen Nahverkehr an die Berliner S-Bahn gedacht. Zugausfälle als Folge haben in der Vergangenheit negative Schlagzeilen bei der S-Bahn gebracht. Immer häufiger sind ähnliche Probleme von der U-Bahn zu hören. Inzwischen pfeifen es die Spatzen von den Dächern: Die U-Bahn hat Probleme! Die Reparaturanfälligkeit der U-Bahn nimmt immer größere Ausmaße an. Lt. Medienberichten sind 500 der über 1200 Wagen der U-Bahn nicht mehr ordentlich instand zuhalten. Wenn der Senat nicht bald Geld in die Hand nimmt, wird es zu Fahrzeugausfällen und Verkehrseinschränkungen kommen.

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Gysi mag Olympia
Entgegen der Position des Berliner Landesverbandes der Partei Die Linke findet der Fraktionsvorsitzende der Linken im Deutschen Bundestag, Gregor Gysi, die Olympia-Bewerbung Berlins offensichtlich klasse. Überhaupt hat er die Schnauze voll, dass man bei Berlin und Olympiade immer an die Faschisten und 1936 denken würde. Wir sollen an die Fußballweltmeisterschaft von 2006 denken, das sei Bildung die wir brauchen. Richtig Herr Gysi, im nationalem Taumel können wir nicht nur mit der Geschichte aufräumen, sondern auch über viele andere Dinge wieder den Deckmantel legen. Grundstücksspekulation, Mietsteigerungen oder ähnliches wird dabei zur Nebensache.

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Baubürokratie lässt Schulen verfallen
Abblätternder Putz an den Wänden, stinkende Toiletten oder Fenster mit fehlender Abdichtung, dass sind Mängel von denen die Schulen ein Lied singen können. Nun sollen die Schulen alle einige tausend Euros bekommen, um solche dringenden Mängel schnell beseitigen zu können. Gleichzeitig sollen diese Planungen von den bezirklichen Bauämtern abgewickelt werden. Diese sind nicht nur unterbesetzt, sondern wurden auch mit zusätzlichen bürokratischen Hürden konfrontiert. Der Aufwand ist wohl nicht zu schaffen, klagen die Bezirke. Als erster Bezirk verzichtet Friedrichshain Kreuzberg auf das Geld.

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Die Waffen nieder!

Aufruf zum Berliner Ostermarsch 2015

„Keinem vernünftigen Menschen wird es einfallen, Tintenflecken mit Tinte, Ölflecken mit Öl wegwaschen zu wollen. Nur Blut soll immer wieder mit Blut abgewaschen werden.“ Bertha von Suttner, Friedennobelpreis 1905

70 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs erinnern wir an das Vermächtnis der Kriegsgeneration: Nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg!

Die westlichen „Kriege gegen den Terror“ und die durch die neoliberale Globalisierung zunehmende Spaltung der Länder und Gesellschaften in arm und reich führen zu neuem Hass und der Ausbreitung von Gewalt. Militärinterventionen, Waffenexport und militärische „Ausbildungshilfe“ fördern diese Eskalation.

Wir lehnen eine „neue deutsche Verantwortung“ in Form weltweiter Militäreinsätze ab, wie sie Gauck, Steinmeier und von der Leyen fordern. Wir sorgen uns um den Frieden!

Durch die Wiederbelebung alter Feindbilder wie im Ukraine-Konflikt ist er nun in Europa in Gefahr. Nur ein Funke trennt einen kalten von einem heißen Krieg zwischen Ost und West. Dieser kann weltweit zu einem Atomkrieg führen. Darum muss sich die Bundesregierung für einen Waffenstillstand, für direkte Verhandlungen zwischen den ukrainischen Konfliktparteien, für die Aufhebung der Sanktionen gegen Russland und ein Verbot von Waffenlieferungen in die Ukraine einsetzen.

Wir brauchen dringend eine Politik der Deeskalation und Entspannung, der zivilen Konfliktlösung und Gleichberechtigung in den internationalen Beziehungen, wie es das Völkerrecht vorsieht.

Deshalb fordern wir:

• Stopp der ideologischen Kriegsvorbereitung durch Politik und Medien
• Stopp der Militarisierung von Bildungswesen und Hochschulforschung
• Keine Duldung von Antisemitismus, Islamfeindlichkeit und Rassismus
• Großzügige Aufnahme von Flüchtlingen
• Stopp neuer Rüstungsprojekte wie z.B. Kampfdrohnen und Raketenabwehrsysteme
• Kein Einsatz US-amerikanischer Kampfdrohnen bei gezielten Tötungen vom Boden Deutschlands aus
• Stopp der Rüstungsexporte – Rüstungskonversion zugunsten ziviler Produkte
• Stopp aller Auslandseinsätze der Bundeswehr Abrüstung von Bundeswehr und NATO bis zu ihrer Auflösung
• Abzug der Atomwaffen aus Deutschland und Verschrottung aller Atomwaffen

Nur wenn wir uns in allen gesellschaftlichen Bereichen aktiv für diese Forderungen einsetzen, können Parteien und Regierung zu einem Kurswechsel gezwungen werden, ehe es zu spät ist. Kommt zum Ostermarsch 2015!


Ort und Zeit: Sa, 4. April 2015, 13.00 Uhr Dorothea-Schlegel-Platz (S / U-Friedrichstraße, Südseite)

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Berlin will die Olympischen Spiele nicht - weder 2024 noch 2028!

Stellungnahme der DKP Berlin

Im August 2014 reichte der Berliner Senat die Interessensbekundung für die Olympischen Spiele 2024 ein. Im Dezember sollte über die deutsche Bewerberstadt entschieden werden. Das wurde aufs Frühjahr verschoben, eine Bevökerungsbefragung in Aussicht gestellt. Die hat nie stattgefunden. Denn in Umfragen des Tagesspiegel haben sich über 80 % der Befragten gegen die Bewerbung ausgesprochen, in der Berliner Woche 73%, bei der Berliner Zeitung 58%.

Wir Berlinerinnen und Berliner wollen die Spiele nicht! Sie stehen im Widerspruch zu jeder bedürfnisorientierten Stadtpolitik. Um die Bürger zu überrumpeln, fährt der Senat nun eine Propaganda-Kampagne. Denn am 21. März soll die Entscheidung durchgedrückt werden.

Fingierte „Bürgerforen“, bei denen nur Befürworter auf dem Podium sitzen, waren dem Senat bisher 15.000 Euro wert; das Konzept dazu 130.000. Für Medienpropaganda berappte die Staatskanzlei 19.291 Euro. Die Kampagne „Wir wollen die Spiele“ brachten der beauftragten Agentur vorab 138.500 Euro. Weitere Honorare für „Öffentlichkeitsarbeit“: 11.900 Euro. Für eine Broschüre zur Unterstützung des DOSB kassiert die Deutsche Stadt- und Grundstücksentwicklungsgesellsschaft (!) 64.000 Euro. Insgesamt, bis Anfang Februar wurden also rund 400.000 Euro Steuergelder allein zur Irreführung der Bevölkerung verschwendet. Olympia bedeutet Riesenprofite für IOC und Konzerne, aber Schulden und Sozialkürzungen für Land und Kommunen
Senator Henkel behauptet, die Spiele kosten Berlin 2 Miliarden Euro. Das ist ein Witz. London gab 3 Milliarden an, als es sich 2004 bewarb und zahlte schließlich über 18 Milliarden. Laut Gutachten der Universität Oxford waren die Kosten aller Spiele von 1960 bis 2012 durchschnittlich 252% höher als ursprünglich angegeben.

Wir erleben täglich die katastrophalen Folgen der Berliner Rotstiftpolitik:

• „Wohnungspolitik“ heißt in Berlin: Versorgungsmangel und Höchst-Renditen auf dem Rücken der Mieter. Den Vorwand für die politische Untätigkeit liefern Haushaltslöcher und Schuldenbremse. Für Olympia-Bauten soll das Geld nun plötzlich da sein, obwohl die Profite privatisiert sind.
• Das Flughafengelände Tegel wäre für bezahlbaren Wohnungsbau zu nutzen. Stattdessen soll ein „oympisches Dorf“ entstehen. Beispiel London: Das olympische Dorf wurde nach den Spielen als Eigentumswohnungen verkauft - 300.000 Euro pro Einheit, alles für private Investoren.
• Mittel für die Infrastruktur würden von Olympia aufgesogen. Es fehlt an Kitas und Studentenwohnheimen, Schulen sind marode und überbelegt. Der Öffentliche Nahverkehr ist der Belastung nicht gewachsen, erst recht nicht dem Andrang von 10.000 Sportlern und Millionen Besuchern. Fahrpreiserhöhungen sind im Falle der Spiele vorprogrammiert.
• Der Senat gab zu, dass „viele der Sportanlagen in baulicher, sicherheitstechnischer und sportfunktionaler Hinsicht erhebliche Mängel aufweisen“. Mit Oympia wird das so bleiben. Milliardenschwere Olympiabauten kommen dem Breitensport nicht zugute. Der Landessportbund veranschlagt den Sanierungsbedarf der Sportanlagen bei 300 Mio Euro. Bloß 3 % davon wurden vom Senat 2014 bewilligt. Olympia würde noch drastischere Kürzungen bringen.
• Die Verkehrsinfrastruktur würde Milliarden verschlingen. Der umstrittene Bau der A 100 wäre damit vorentschieden. Stadt und Verkehrsnetze würden auf Jahre zur Mega-Baustelle. Verkehrsplanung würde ausschiesslich auf Sportstätten und Folgeinrichtungen ausgerichtet.

Olympia bedeutet Bodenspekulation, Mietpreistreiberei, Verdrängung
Die Spiele potenzieren die Gentrifizerung in der Stadt. Was auf Wohnungslose und geringerverdienende MieterInnen zukommt, lehren die früheren Austragungsorte. In London wurden Wohnungslose während der Spiele aus der Stadt ausgewiesen und in Kasernen konzentriert. In Atlanta (1996) wurden 6000 MieterInnen zwangsgeräumt, 2000 Wohnungen abgerissen, 9000 Obdachlose in Knäste gesteckt. In Barcelona (1992) wurden Hafenfront und angrenzende Viertel luxuriös umgebaut, die Alt-Bewohner vertrieben. 90% der Roma in Nähe des olympischen Dorfes wurden verdrängt.

In Berlin herrscht bereits Wohnungsnot. Schon jetzt explodieren Wohn- und Gewerbemieten und Grundstückspreise. Ist die Ausrichterstadt ermittelt, wird jeder Quadratmeter darin zum Objekt von Bodenspekulation und gigantischen Immobiliendeals. Seit den Spielen hat Vancouver deshalb die höchsten Immobilienpreise Kanadas. In London stiegen die bereits hohen Mieten um 23%, in Sydney um 40%.

Olympia bedeutet: Militarisierung und Überwachungsstaat
Die deutsche Olympiabewerbung beruft sich gerne auf das Vorbild London. IOC und Unterstützer-Loby wissen, was sie daran schätzen: eine Stadt im Besatzungszustand.

• Bei den Londoner Spielen setzte das IOC ein umfassendes Demonstrationsverbot durch
• Zehntausende Soldaten, Polizisten, Wachschützer wurden eingesetzt
• Die Polizei erhielt das Recht in Privatwohnung einzudringen - z.B. bei Verdacht auf „illegale Werbematerialien“
• Über der Stadt kreisten ständig Polizeihubschrauber, auf der Themse war ein Kriegsschiff stationiert
• In den Staßen wurden Überwachungskameras, in den Parks Boden-Luft-Raketen installiert, Drohnen eingesetzt.
• Der elektrische Zaun um die „olympische Zone“ stand zwei Jahre unter Hochspannung.

Für Berlin würden Milliardenausgaben für angebliche „Terrrorismusabwehr“, „Sicherheit“ und Überwachungsprogramme ein Hauptposten sein. Das heißt: Bundeswehr im Stadtgebiet, Drohnen, Datenüberwachung und Gesetzesverschärfungen.
Senat und Grüne Bezirksregierung zeigten in Kreuzberg bereits, wie aufgrund einer bloßen Zwangsräumung oder einer von Flüchtlingen besetzten Schule ein ganzer Bezirk zum Aufmarschgebiet schwerbewaffneter Polizeieinsätze gemacht und in den Ausnahmezustand versetzt wurde. Das ist nur ein Vorgeschmack auf das Ausmaß der Repression, welche Olympia nach Berlin brächte.

Dabei heißt es in der Bewerbung: „Die ganze Welt in unserer Stadt.“ Doch das gilt nur für Reiche. Flüchtlinge werden in Container-Ghettos gepfercht, entrechtet, dem Mob ausgesetzt, abgeschoben und Solidarität niedergeknüppelt.

Olympia bedeutet: Berlin unterstellt seine Hoheitsrechte dem IOC
Der „Gastgebervertrag“ zwischen dem IOC und der Ausrichterstadt ist ein Geheimdokument, das der Kommune aussschliesslich Pflichten, dem IOC einseitige Rechte einräumt. Berlin würde Mitspracherechte und Haushaltssouveränität abgeben. Im „Host City Vertrag“ ist garantiet, dass das IOC keine Steuern zahlt. Aber auch Details wie:

• Die Ausrichterstadt muss eine eigene grüngeschaltete Fahrspur für die 40.000 Offiziellen und 25.000 Sponsoren einrichten, die für das Publikum nicht benutzbar ist. Die Wagen mit Chauffeur zahlt Berlin. Das IOC verlangt eine Begrenzung des sonstigen Verkehrs und schlägt vor, Schulen zu schließen und die Bevölkerung in „Urlaub“ zu schicken.
• In Verkehrs-, Sicherheits- und Bauplanungen hat das IOC Mitsprache- und Vetorecht.
• IOC und Sponsorenkonzerne erhalten Kontrolle über die Werbeflächen ganz Berlins. Der „Host City“ Vertrag regelt, dass in Hotelläden nur Sponsoren-Produkte verkauft werden, für Hotelbars sind Überstunden vorgeschrieben und die Mininbars mit z.B. Coca-Cola-Produkten anzufüllen. „Unautorisierte Werbung“ kann aus Schaufenstern von Einzelhändlern entfernt werden.

So nimmt eine kleine Gruppe von korrupten Funktionären ohne demokratische Legitimation und eine Handvoll „Sponsoren“-Kozerne eine ganze Stadt als Geisel, um ihre Monopolprofite bei der weltweiten Vermarktung der Ware Sport mit aller Gewalt durchzusetzen.

Die DKP Berlin sagt dazu: Wir brauchen bezahlbare Wohnungen, Breitensport und soziale Infrastruktur. Wir brauchen keine IOC-Abzocke!

Stoppt die Berliner Olympia- Bewerbung!
Wir wollen die Spiele nicht!

Wir solidarisieren uns ausdrücklich mit dem Bündnis NOLYMPIA BERLIN.

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DKP – Berlin lädt ein:

Anti-Kriegs-Revue zum Frauentag 2015

Mehr als 100 Jahre nach dem ersten Internationalen Frauentag erschüttern Kriege und kriegerische Auseinandersetzungen die Welt, bringen maßloses Leid über die Menschen, ganz besonders über die Frauen. 

Frauen müssen nicht nur den Verlust ihrer Kinder und Männer beklagen, sie selber sind Opfer von Versklavungen, Vergewaltigungen und Demütigungen. Misshandlung und Missbrauch von Frauen wird gezielt als Waffe eingesetzt um den „Gegner“ zu erniedrigen.

Diese Frauen brauchen unsere Solidarität!

Doch Frauen sind nicht nur Opfer, Frauen sind auch Täter. Frauen, die die aggressive Politik der NATO vertreten, unterstützen und umsetzen. Frauen, die im Dienst des Kapitals über Leichen gehen. Frauen wie Angela Merkel und Ursula von der Leyen.

Wohlgefällig unterstützt vom ach so freiheits-und friedensliebenden Joachim Gauck.

Der DKP-Frauenarbeitskreis Essen bringt zum diesjährigen Internationalen Frauentag eine Anti-Kriegs-Revue auf die Bühne, die nicht ernst ist, aber ernst zu nehmen, und bei der einem das Lachen im Halse stecken bleibt. Entlarvende Blicke auf Merkel  & Co machen deutlich, wer vom Krieg profitiert und wer die Leid tragenden sind.


Wir laden herzlich ein:
Anti-Kriegs-Revue „Bombenstimmung“
Sa, den 14. März 2015, 15.00 Uhr, Einlass ab 14 Uhr
Habbema Bühne der Peter-Hacks-Gesellschaft,  10405 Berlin, Mülhauser Str. 6, Hofgebäude/Ecke Prenzlauer Allee
Eintritt: Spenden (auch in Form von Salat und Kuchen) sind erwünscht

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Antifa-Kiezspaziergang

Friedrichshainer Persönlichkeiten des antifaschistischen Widerstands geehrt

Vor allem ihre ehemaligen Wohnorte – Mietskasernen im Südkiez des Bezirks Friedrichshain – bildeten die Schwerpunkte des Stadtteilspaziergangs am 25. Januar, zu dem die DKP eingeladen hatte. Besonderheiten stellten das Grabmal für Willi Heinze, Fritz Riedel und Kurt Ritter auf dem Friedhof Boxhagener Straße sowie der Ehrenhain für Franz Stenzer und Ernst Thälmann auf dem Gelände des RAW dar, das, als es in der DDR tatsächlich noch als Ausbesserungswerk für die Deutsche Reichsbahn fungierte, den Ehrennamen des Münchener Kommunisten trug.

Entgegen sich hartnäckig haltender bürgerlicher Vorurteilen gab es antifaschistische Gedenktafeln in der DDR keineswegs nur für jene, die der Linie entsprachen – also ausschließlich Genossen der damaligen KPD. So finden sich unter den 10 gewürdigten Stationen die Namen zweier parteiloser Antifaschisten, von denen lediglich bekannt ist, dass sie aufgrund politischer Äußerungen interniert und ermordet wurden. Rudolf Paetzold aus der Simon-Dach-Str. 33 wurde im Januar 1942 zum Kriegsdienst in die faschistische Wehrmacht eingezogen, wo er versuchte, Soldaten an der Front über die Sinnlosigkeit des Krieges aufzuklären. Er wurde denunziert und zum Tode verurteilt. Auch über Georg Klinner, Grünberger Str. 63, ist nahezu nichts bekannt; lediglich, dass er Bügler in einer Schneiderei war und aufgrund kritischer Bemerkungen über den Faschismus eingesperrt und ermordet wurde.

Gleichwohl bildete Friedrichshain zumindest vor dem Faschismus einen klar von der KPD dominierten Arbeiterstadtteil. Auch wenn es sich seit 1938 nicht mehr um eine „No-Go-Area“ für Faschisten handelte, waren im proletarischen Kiez immer noch relativ große Betriebe vorhanden. Und so lebten hier zahlreiche antifaschistische Kämpfer, deren Bedeutung teils weit über die Region hinaus ging.

Reichsweiter Roter Widerstand
International sehr prominent war der Ringer Werner Seelenbinder, wohnhaft in der Glatzer Str. 6. Der mehrfache Deutsche Meister und Olympiateilnehmer nutzte seine internationalen Sportkontakte zum Austausch von Informations- und Agitationsmaterial. 1939 wurde Seelenbinder in einen Rüstungsbetrieb zwangsverpflichtet, wo es ihm gelang, eine Widerstandszelle zu organisieren, an der neben deutschen Kommunisten auch polnische Zwangsarbeiter beteiligt waren.

Alfred Kowalke, ein Schulfreund Seelenbinders, wohnte in der Boxhagener Str. 5, gehörte seit 1931 dem illegalen Apparat der KPD an und war für Waffen- und Munitionsbeschaffung verantwortlich. Das Mitglied der Auslandsleitung der KPD reiste als Antifa-Koordinator regelmäßig nach Prag, Amsterdam, Bremen, Dortmund und in den Aachener Raum. Er bündelte Informationen über die Lebenswirklichkeit im faschistischen Deutschland und lotete Kontakte zu Sozialdemokraten und ehemaligen Gewerkschaftern aus, um diese für den Widerstand zu gewinnen.

Ehrenmale auf dem Friedhof Boxhagener Straße und dem RAW-Gelände
Ein Friedhofs-Grabmal mit rotem KZ-Winkel wurde nach 1945 auf Betreiben überlebender Widerstandskämpfer errichtet – bis dahin hatte der für die Ruhestätte verantwortliche Pfaffe dafür gesorgt, dass die Urnen der Kommunisten Fritz Riedel, Willi Heinze und Kurt Ritter lediglich anonym an der Friedhofsmauer verscharrt wurden. Denn alle drei Friedrichshainer hatten eine führende Rolle im reichsweiten Widerstand gespielt, weshalb in der DDR Straßen und Schulen ihre Namen trugen. Einige sind heute noch so benannt.

Franz Stenzer arbeitete zur Zeit der Münchener Räterepublik im Bahnbetriebswerk I in München, wo er 1919 der KPD beitrat, für die er 1928 Gewerkschaftssekretär wurde. Bei der Reichstagswahl im November 1932 gelangte er aus dem Wahlkreis Franken als Abgeordneter der KPD-Fraktion in den Reichstag. 1933 tauchte Stenzer zunächst unter, nahm aber noch an der illegalen Tagung des ZK der KPD am 7. Februar 1933 im Sporthaus Ziegenhals teil. Die Gestapo spürte sein Versteck in München auf. Nach Verhören und Misshandlungen wurde Stenzer im August 1933 im KZ Dachau ermordet.
Bernd Schillermann

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Abgang eines Brandstifters

Der Neuköllner Bezirksoberbürgermeister Buschkowsky tritt ab

Ein Bezirksbürgermeister geht in den Ruhestand. Für sich genommen ist dieser Umstand höchstens eine Randnotiz in der Berliner Presselandschaft, denn meistens sind die Berliner Bezirksbürgermeister nicht sonderlich bekannt. Das ist mit Heinz Buschkowsky, Bezirksbürgermeister von Neukölln, anders.

„Genosse Klartext tritt ab“ titulierte eine Berliner Tageszeitung den Abgang. „Genosse“, weil er Mitglied der SPD ist und „Klartext“, weil er ein Freund der deutlichen unverschlüsselten und leicht verständlichen Worte sei. Zahlreiche Tageszeitungen berichten mit ähnlichen Beschreibungen. Auch die Neuköllner SPD zollt ihrem Parteimitglied „Respekt und Anerkennung“ und hebt seine Verdienste für die Benennung von „Defiziten in der Integrationspolitik“ hervor. Seine „klaren Worte“ und seine „Bodenhaftung“ hätten dazu beigetragen, dass „gesellschafts- und integrationspolitische Fragestellungen neu debattiert wurden“. Dem aufmerksamen Beobachter der Tagespolitik ist sicherlich in Erinnerung, dass der größte Raubbau an Sozialleistungen seit dem Ende des zweiten Weltkrieges durch die von der SPD beschlossenen „Hartz-Reformen“ vollzogen wurde. Heute ist unstrittig, dass dieser soziale Kahlschlag nicht nur die Schere zwischen Arm und Reich weiter öffnete, sondern Armut – gerade in Berlin – immer mehr zum sichtbaren Umstand dieser Gesellschaft zählt. Inzwischen versucht die SPD selbst einige dieser Reformen zu reformieren, was den Umstand nicht besser macht.

Armut gibt es nicht
Buschkowsky hat sein eigenes Weltbild geschaffen, ganz im neoliberalen Mainstream ist auch er der Meinung, dass jeder seines Glückes Schmied ist: „Schau dich um, diese Gesellschaft hält auch für dich einen Platz bereit, nimm ihn ein und ergreife die Chancen, die das Leben dir in diesem Land bietet.“ Auch wenn einem das Geld für entsprechende Werke zu schade ist, sind die Veröffentlichungen vom Genossen Klartext, oder „Big B“ wie er sich laut Pressemeldungen auch gerne nennen lässt, entlarvend und seien daher jedem als Lektüre empfohlen. Armut gibt es für Buschkowsky nicht, denn „Armut ist heute Konsumrückstand (…). Die Maßstäbe haben sich verändert: Mir geht es nicht schlecht, weil ich arm und krank bin, sondern weil es meinem Nachbarn besser geht.“ Nur ein Drittel der Hartz IV Bezieher sind auch wirklich arm, das sagte ihm eine Erzieherin aus einer Kita und die muss es ja wissen, denn schließlich hat eine Erzieherin die Arbeitslosen insgesamt im Blick. Dass es aber stimmt, kann Big B auch belegen, denn wenn Hartz IV-Bezieher wirklich arm wären, dann „müsste dies zu einer Vielzahl an freien Parkplätzen in Neukölln führen.“ Die Logik eines Stammtisches wird hier zur Wahrheit gekürt. Genau so sieht sein Argumentationsmuster aus. Buschkowsky fragt nicht nur die Erzieherin, auch den Lehrer oder den Kripo-Beamten, das sind seine Belege. Das selbst Wirtschaftsinstitute, die nicht unbedingt als Kampforganisationen für soziale Gerechtigkeit gelten, inzwischen Studien herausgegeben haben, die anderes belegen und man Einzelfälle nicht verallgemeinern darf, lässt er nicht gelten: „Das ist eben die Lebenslüge!“ Und wenn Big B Erkenntnis mal zulässt, dann sieht sie so aus: „Die Kinder leben in Armut, aber darunter ist nicht die finanzielle Situation zu verstehen, sondern die Erziehungs- und Bildungsarmut.“

Schüren von rassistischen Vorurteilen
Diese sozialfeindliche Demagogie alleine wäre schon Grund genug den Abgang von Big B zu beklatschen. Doch Buschkowsky paart diese mit rassistischen Vorurteilen. Dass es Hartz IV-Beziehern zu gut geht, wird verbunden mit Beispielen wie, dem Fall „eines Kölner Imam im Frühjahr 2012“ der beeindruckend belegte, dass diesem „als Hartz IV Bezieher ein Leben mit Häuschen, Garten und Mercedes“ ermöglicht werden kann.

Der Sozialbetrug hat seiner Ansicht nach System in diesem Land. Seine Beispiele werden fast durchweg immer in Verbindung mit Migranten und Kriminalität gebracht. „Mit den Afrikanern ist noch mehr Brutalität, Drogen- und Alkoholmissbrauch eingezogen. Afrikanische Männer sitzen zu Hause, sehen fern, spielen, telefonieren und trinken.“ oder es sind „(…) arabische Großclans, die zu einem erheblichen Anteil in die organisierte Kriminalität verstrickt sind (…)“.

Hier treibt er die Verallgemeinerungen auf die Spitze. Es geht um „die“ Araber, „die“ Türken oder „die“ Afrikaner. Integration ist für ihn ein Kampfbegriff. „Wir“ die guten Deutschen, „Ihr“ die Gefahr und Bedrohung unserer Gesellschaft: „Wir erziehen unsere Kinder zur Gewaltlosigkeit. Wir ächten Gewalt in der Begegnung und bringen das unserem Nachwuchs bei. Andere [die Migranten, R.P.] bringen ihren Jungs bei, stark, tapfer und kampfesmutig zu sein.“ „Wir“ werden mit Problemen konfrontiert, für die „Ihr“ verantwortlich seid. Das ist die Botschaft, die sich hinter Buschkowskys Aussagen verbirgt.

Geistige Brandstifer
Der SPD Fraktionsvorsitzende im Berliner Abgeordnetenhaus, Saleh, fabulierte vor ein paar Wochen auf der Klausurtagung seiner Fraktion über die Gefährlichkeit von geistiger „Brandsstiftung an den Grundmauern unserer Demokratie“ und meinte Pegida & Co. Zum Abgang Buschowskys sagt Saleh, dass er sich freue, „dass die Partei gelernt hat, ihm zuzuhören.“ Dabei saßen mit Sarrazin und Buschkowsky zwei Brandstifter jahrelang an exponierter Stelle in der SPD oder der Politik.

Das Auftreten von Buschkowsky und seine Argumentation spielen mit diffusen Ängsten. Wohl dosiert und leicht verständlich werden durch die soziale Demagogie Vorurteile geschürt. Damit ist ein Buschkowsky gefährlicher als ein abgehobener Sarrazin, da er quasi mit Volkes Stimme daherkommt. Buschkowsky ist einer der Wegbereiter rassistischer Vorurteile gegen Minderheiten, welche sich jetzt in anderen Formen wie der AfD oder Pegida manifestiert oder Bahn gebrochen haben.
Rainer Perschewski

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Flüchtlinge in SS-Baracken!?!

Schwerte – Außenlager vom KZ Buchenwald wird „Flüchtlingsunterkunft“

 

Mitte Januar wurde bekannt, daß in einer Baracke für SS-Wachmannschaften des Außenlagers des früheren KZ Buchenwald in Schwerte 21 Flüchtlinge untergebracht werden sollten. Trotz regionaler und internationaler Proteste, trotz der Bedenken der Ministerpräsidentin Kraft fanden die ersten Belegungen bereits am 19. Januar statt. Die Ungeheuerlichkeit dieser Maßnahme wird dadurch verdrängt, daß es den Männern dort besser ginge als in überfüllten Massenquartieren.

Von 1944 bis Januar 1945 wurden in dem Lager 700 Zwangsarbeiter aus Polen und anderen osteuropäischen Ländern auf engstem Raum eingesperrt, um beim Reichbahnausbesserungswerk unter schwersten Bedingungen arbeitsmäßig ausgepresst zu werden. Auf dem Gelände wurde 1990 eine Gedenkstätte mit einem Zwangsarbeiterdenkmal errichtet, das Menschen unter Eisenbahnschienen liegend darstellt. Ein ehrenamtlicher Mitarbeiter von Pro Asyl in Schwerte stellte für den Arbeitskreis fest, daß sie kein Problem damit hätten, und fragte ganz pragmatisch: „Wo fangen wir an und wo hören wir auf, wenn wir alle Gebäude, in denen Nazis waren, räumen würden?“ Und der Bürgermeister der Stadt sagte: „Wir können nicht alle Orte der NS-Zeit tabuisieren.“ Ulla Jelpke von der Linkspartei nannte das „zynisch und geschichtsvergessen“.

„Leben“ im Container? Wie der Senat Ghettos schafft, um Flüchtlinge und Anwohner zu spalten


Bei der hier geschilderten Unterbringung von Menschen in Containern handelt es sich um eine besondere Form von Gemeinschafts- und Notunterkünften für Asylbegehrende und geflüchtete Menschen, die der Berliner Senat aus einer angeblichen Notlage heraus im Oktober 2014 beschlossen hat. Es sollen sechs Containerdörfer mit insgesamt 2400 Plätzen auf landeseigenen Grundstücken errichtet werden. Das Erste dieser Art wurde inzwischen in der Köpenicker Alfred-Randt-Straße, im Wohngebiet „Allende II“, fertig gestellt und teilweise bezogen. Zu DDR-Zeiten stand dort eine Kita, die aber auf Grund stark gesunkenen Bedarfs vor einigen Jahren abgerissen wurde. Heute sieht der Bedarf übrigens schon wieder ganz anders aus!

Auf dieser Brache wurde nun für 400 Menschen ein 3-stöckiger Containerkomplex mit Zellen für jeweils 2 Personen und Gemeinschaftseinrichtungen innerhalb kurzer Zeit hochgezogen. Bekanntlich ist alles relativ: Sicherlich ist der Aufenthalt dort angenehmer als in einer Fabrik- oder Turnhalle oder in einem Zelt. Aber ist eine Sammelunterkunft überhaupt menschenwürdig? Es stellt sich außerdem die Frage: kam die Steigerung der Flüchtlingszahlen wirklich so überraschend, wie Sozialsenator Mario Czaja (CDU) immer wieder gebetsmühlenartig wiederholt? Selbst die Statistiken des Bundesministeriums des Innern belegen, dass sich seit 2011 die Zahl der Asylanträge von Jahr zu Jahr fast verdoppelt hat. Diese Entwicklung ist kein Naturgesetz, sondern das Ergebnis imperialistischer Kriege und der ökonomischen Ausplünderung anderer Staaten, insbesondere in Afrika, in Südosteuropa und im Nahen Osten. Auch der Berliner Senat hat auf diese sich abzeichnende Situation viel zu spät reagiert. Von Vorsorge konnte also keine Rede sein, zumal eine wünschenswerte Einzelunterbringung sowieso nicht im Focus des Senats steht. Das Landesamt für Gesundheit und Soziales (LaGeSo) stand nun vor der dringlichen Aufgabe, Notunterkünfte aus dem Boden zu stampfen. Völlig inakzeptabel war es aber, dass die Berliner Bezirke bei der Auswahl der Standorte völlig übergangen wurden und das Bezirksamt Treptow-Köpenick über die Errichtung des Containerdorfes erst gleichzeitig mit der Presse informiert wurde. Für die zwei Bezirksverordneten der NPD war das auch ein gefundenes Fressen, in den öffentlichen BVV-Sitzungen ihre provokativen Mündlichen Anfragen zu stellen und so eine feindliche Stimmung zu erzeugen. Über entsprechende rechtsextreme Internetforen wurden außerdem gezielt Gerüchte gestreut, wie etwa eine angebliche Vergewaltigung in einer bestehenden Flüchtlingsunterkunft oder die beabsichtigte Schließung einer Lidl-Filiale. Als Grund für die angebliche Schließung sollte die durch Bewohner der Flüchtlingsunterkünfte angeblich verursachte Häufung von Diebstählen herhalten. Natürlich ist das alles erstunken und erlogen! Leider hat das unverantwortliche Verhalten des Senats dazu beigetragen, dass es aus Unkenntnis der Situation zuerst zu einem Abwehrverhalten der Anwohner gekommen ist und bis zu 150 Menschen an den wöchentlichen fremdenfeindlichen Protestdemonstrationen teilgenommen haben. Diese wurden nachweislich vom NPD-Landesvorsitzenden Sebastian Schmidtke, einem der zwei BVV-Mitglieder der NPD, initiiert und von NPD-Kadern aus anderen Berliner Bezirken angemeldet und gelenkt.

Trotz aller Fehlentscheidungen muss den zu uns Kommenden geholfen werden, sie können am allerwenigsten dafür! Nicht zuletzt ist es der unermüdlichen Arbeit des Bezirklichen „Bündnis für Demokratie und Toleranz“, in dem auch zwei Genossen der DKP-Gruppe Treptow/Köpenick mitarbeiten, zu verdanken, dass die Zahl beim letzten Aufmarsch, am 6.Februar, schon unter 50 Teilnehmern lag und sich die Gegendemonstranten in der Überzahl befanden. Dieses Bündnis stellt einen repräsentativen Querschnitt der Zivilgesellschaft dar: Parteien, Gewerkschaft (Verdi), Antifa- und Jugendgruppen, die Hochschule für Technik und Wirtschaft, Kirchenkreise und sogar der Kleingartenverein. Aber auch die jetzt überwältigende Hilfe der vielen engagierten Anwohner für die Menschen in dem Containerdorf darf nicht darüber hinweg täuschen, dass diese Form der Unterbringung mehr Probleme produziert als sie den Flüchtlingen wirklich hilft. Menschen mit vollkommen unterschiedlichen ethnischen, religiösen und politischen Hintergründen, auf engem Raum und oftmals über längere Zeit zusammen zu sperren, ist menschenunwürdig. Hinzu kommt der Verlust der Intimsphäre. Nach außen sind die Bewohner stigmatisiert, da schon die Struktur der Containeransammlungen nichts anderes als ein Ghetto hervorbringen kann.

Der Regelfall muss die Einzelunterkunft sein! Doch während in unserem wald- und wasserreichen Bezirk die Eigentumswohnungen und Luxussanierungen Hochkonjunktur haben, ist die Versorgung mit Sozialwohnungen unzureichend. Hierin liegt auch ein Konfliktpotential zwischen Asylsuchenden und Einheimischen. Selbst Sozialsenator Czaja stellt inzwischen fest, dass es politisch nicht zu vermitteln ist, wenn wenige Hundert Meter weiter öffentliche Gebäude leer stehen. Außerdem ist zu befürchten, dass diese Notunterkünfte zu Dauereinrichtungen werden. Gibt es doch, in der von der AWO betriebenen Gemeinschaftsunterkunft, in der Köpenicker Landstraße, Bewohner, die schon seit 10 Jahren auf ein abschließendes Asylverfahren warten. Das liegt natürlich nicht an der AWO, sondern in der mehr als fragwürdigen Arbeit der Ausländerbehörde. Ich sehe unsere Aufgabe als Kommunisten nicht nur in der Hilfe vor Ort, sondern vor allen Dingen, immer wieder auf die gesellschaftspolitischen Ursachen der Fluchtbewegungen hinzuweisen, sei es in einem Bündnis oder in der Öffentlichkeit!
Michael Chrapek

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Berliner Betriebstelegramm

Warnstreik bei INA.KINDER.GARTEN gGmbH
Erst vor knapp zwei Jahren konnte die GEW einen Tarifvertrag bei der INA.KINDER.GARTEN GmbH durchsetzen. Vorausgegangen war eine über eineinhalb Jahre währende Auseinandersetzung der Beschäftigten mit dem Unternehmen. Nun streiten die Beschäftigten in der Tarifrunde um Gehaltserhöhungen. Wiederum beteiligten sich im Februar etwa 100 Beschäftigte des privaten Kita-Trägers am nunmehr zweiten Warnstreik für mehr Gehalt. Die Geschäftsführung versucht Druck auszuüben. Eine Tariferhöhung von mehr als 3,47 Prozent würde das Unternehmen in die Insolvenz führen. Die GEW forderte das Unternehmen schon Anfang Januar auf, belastbare Zahlen vorzulegen. Das ist bis heute ausgeblieben. Damit bleiben die Positionen verhärtet.

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Warnstreiks der IG Metall in Berlin
Bereits mehrere Wochen Warnstreiks hat die IG Metall in ihrer diesjährigen Tarifrunde 2015 durchgeführt. Zum letzten Verhandlungstermin versammelten sich etwa 300 Kolleginnen und Kollegen am Berliner Spittelmarkt, um die Tarifrunde lautstarkt zu begleiten. Auch bei Daimler in Marienfelde wurden Warnstreiks durchgeführt. Die Metallunternehmen wollen die Altersteilzeit halbieren, Weiterbildung nicht tariflich regeln und nur 2,2 Prozent mehr zahlen. Wie immer sei kein Geld da. Bei 53,3 Milliarden Euro Gewinn 2014 in dieser Branche darf dies bezweifelt werden. Zehntausende Metaller sind bundesweit auf die Straßen gegangen. „Jetzt ist bei uns im Werk die Warnstreikwelle vorbei. Wenn jetzt kein vernünftiges Angebot kommt, dann sind wir Kolleginnen und Kollegen von Daimler zum richtigen Streik bereit!“ - warnte Patrick Hesse, Vertrauenskörperleiter Mercedes Benz Werk Berlin.

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Tarifrunde im öffentlichen Dienst der Länder
Nach Redaktionsschluss begann verdi die Tarifverhandlungen für den öffentlichen Dienst der Länder. Allein in Berlin sind 56.000 Arbeitnehmer und 70.000 Beamte beschäftigt. Eine Besonderheit in Berlin ist zudem die Folge der Tarifflucht des früheren SPD / PDL Senats. Noch immer liegen die Berliner Beschäftigten im öffentlichen Dienst unter dem Tarifniveau anderer Bundesländer (derzeit 98 Prozent). In diesem Jahr soll das Niveau um einen halben Prozent steigen und im Dezember 2016 wieder auf 100 Prozent. Davon unabhängig fordert verdi Tarifsteigerungen und Maßnahmen gegen die Arbeitsverdichtung.

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Beschäftigte im Botanischen Garten fordern Tarifbindung

Gemeinhin würde ein Berliner vermuten, dass im öffentlichen Dienst alle Betriebe tarifgebunden sind. Das ist aber nicht der Fall. Die Belegschaft der Betriebsgesellschaft des Botanischen Gartens und Botanischen Museums - ein Betrieb im Eigentum der Freien Universität Berlins - haben einen tariflosen Zustand. Nachdem die geplante Schließung durch den früheren SPD / PDL Senat nur durch Proteste verhindert werden konnte, liegen die Beschäftigten teilleise bis zu 50 Prozent unter dem Gehaltsniveau ihres „Mutterunternehmens“ FU Berlin und dazu mit wesentlich schlechteren Arbeitsbedingungen. Die Gewerkschaft verdi und die Beschäftigten haben sich zum Ziel gesetzt, diesen untragbaren Zustand zu beenden und fordern eine Tarifbindung, wie sie die Beschäftigten der FU Berlin schon lange haben.

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Händel und die DDR

Ein Kirchenmusiker und Sozialrevolutionär

Falls wir Anfang März unfreiwillig mit Kirchenmusik konfrontiert werden – wenn im Fernsehen Engel Halleluja singen – kann man fast sicher sein, dass sich dahinter der Komponist Georg Friedrich Händel verbirgt, der vor 330 Jahren, je nach Kalender, am 23. Februar (julianisch) oder 5. März (gregorianisch) 1685 in Halle an der Saale geboren wurde und am 14. April 1759 in London verstarb. Gerade diesen offiziell immer als christlich-barock bewerteten Musiker haben aber schon Marx und Engels als Klassiker und als ausgesprochen revolutionär bewundert.

Diese Bezeichnung können sie kaum beiläufig (nach dem Motto copy and paste aus Wikipedia) aus einem gängigen Lexikon entnommen haben. Eher dürften sich Marx und Engels ernsthafte Gedanken zu diesem Thema gemacht haben, welche sie dann zu der besagten außergewöhnlichen Einschätzung führten. Da Händel-Werke traditionell in London häufig aufgeführt werden und – auch in der britischen Königsfamilie – beliebt sind, gab es für Marx und Engels genügend Gelegenheiten für einen Konzertbesuch, der sie entsprechend beeindruckt haben dürfte.

Befreiung von feudalen Fesseln
Ein bei der britischen Königin beliebter Kirchenmusiker – das hört sich nicht gerade nach links an … Hier kommt nun die DDR-Wissenschaft ins Spiel. Gewissenhafte Forschungen führten zu der Erkenntnis, dass sich der in Halle geborene Händel den für die damalige Zeit aufgeklärtesten und fortschrittlichsten Staat aussuchte und nach England auswanderte, um der extremen Bedrückung durch die feudalen Fesseln seiner alten Heimat zu entfliehen. Im übrigen Europa war es normal, dass Musiker von einem Fürstenhof abhängig waren und dort wie Dienstboten bzw. Leibeigene behandelt wurden. So war Kollege Johann Sebastian Bach (der später als bedeutendster Musiker aller Zeiten galt) der Willkür des Herzogs von Weimar ausgeliefert und musste sogar einige Wochen im Kerker verbringen. In England konnte Händel als freier, eigenverantwortlicher Künstler agieren und sein eigenes frühkapitalistisches Unternehmen zur Aufführung von Opern und Orchestermusik gründen. Auch wenn die Königin Fan seiner Musik war, war Händel nicht ihr Lakai und konnte ihr gegenüber selbstbewusst auftreten.

Aufgeklärte Themen zur Belehrung der Herrschenden
Die Werke, die Händel für sein Opern-Unternehmen verfasste, richteten sich zunächst an die Zielgruppe der fortschrittlichen, aufgeklärten Entscheidungsträger aus Adel und Bürgertum. Diese sicherten durch sehr großzügige Vorauszahlungen das Unternehmen und blockierten im Gegenzug mit ihren Förderabos fast alle Plätze im Opernhaus. Ihnen präsentierte Händel nachahmenswerte Vorbilder in Form von humanistischen, sozialen Herrschern aus exotischen Ländern. Aus einem Thema dieser Opern wurde später in der DDR sogar ein Kinderbuch: Poros und Mahamaya von Waldtraut Lewin. Eine Geschichte aus dem alten Indien; erzählt nach der Oper Alexander in Indien von Georg Friedrich Händel; Berlin, Der Kinderbuchverlag 1987. Auch die Erwachsenen sollten von den pädagogisch wertvollen Geschichten profitieren und so wurden in der DDR große Anstrengungen unternommen, um verschollene Händelopern wieder zu entdecken und wieder aufzuführen. Dabei orientierte man sich an den Erfahrungen der erfolgreichen Arbeit in der Berliner Komischen Oper unter dem Regisseur Walter Felsenstein. D. h. die italienischen Texte wurden – gewissenhaft die wesentliche Aussage des Originals wiedergebend – ins Deutsche umgedichtet und die Aufführungen wurden mit modernen und ansprechend farbenfrohen Kulissen gestaltet. Die Tradition der seit 1952 jährlich in Halle stattfindenden Händel-Festspiele wird bis heute fortgesetzt, neuerdings auch durch historische Aufführungspraxis wie im Fall der Oper Tamerlano 2001 im Goethe-Theater Bad Lauchstädt bei Halle. Händels Leidenschaft im Stile des Sturm und Drang zeigt sich hier in den Arien des Osmanensultans Bajazet und seiner Tochter Asteria, die sich in Gefangenschaft füreinander opfern wollen.

Was sagte das einfache Volk in London dazu
Auch wenn ganz London im Händel-Fieber war – bei Aufführungen in elitären Opernhäusern mit Operndiven, die zu astronomischen Summen engagiert und aus Italien „eingeflogen“ werden mussten, ließen entsprechende Reaktionen der Fan-Fraktion aus den niederen Ständen nicht lange auf sich warten. In den Vorstadt-Theatern wurden satirische Pseudo-Händel-Opern aufgeführt, die das vermeintliche Liebedienern Händels vor Adel und Königin auf die Schippe nahmen. Stücke wie The Beggar’s Opera wurden zu einer solchen Mode, dass fast niemand mehr sich für die eigentlichen Händel-Opern interessierte und Händels Opern-Unternehmen bankrott machte. Bertolt Brecht erklärt hierzu: Der Titel bedeutet nicht etwa, wie manche deutsche Übersetzer geglaubt haben: ‚Die Bettleroper‘, das heißt eine Oper, in der eben Bettler vorkommen, sondern: ‚Des Bettlers Oper‘, das heißt eine Oper für Bettler. ‚The Beggar’s Opera‘ war eine Händel Travestie und wurde in Anregung von Jonathan Swift verfaßt. Händel sah, dass er einen Fehler gemacht hatte und es einer wirklich revolutionären Tat bedurfte, um die Sache wieder gerade zu biegen. Er suchte nach einer Musik, die vor allem die unteren Bevölkerungsschichten thematisch ansprechen würde, die sie kostenfrei hören und an deren Aufführungen sie in großer Zahl mitwirken könnten. Händel schuf so die Gattung des heroischen Oratoriums über den weltlichen Freiheitskampf unterdrückter Völker.

Oratorien mit die revolutionären Massen repräsentierenden Chören
Seine Themen für die neuen Oratorien schöpfte Händel vor allem aus den bei dem einfachen Volk bekannten Geschichten des Alten Testaments. Er reduzierte diese jedoch auf den weltlichen Freiheitskampf der alten Hebräer gegen ihre Unterdrücker. Die heldenhafte Hauptrolle kam nun nicht mehr, wie in den Opern, einem aufgeklärten orientalischen Sultan zu, sondern den revolutionären Volksmassen, welche durch einen großen Chor dargestellt wurden. Instinktiv erfasste dies bereits der klassische Dichter Johann Heinrich Voß und stellte in einer Nachdichtung den heroischen Freiheitmarsch aus dem Oratorium Judas Makkabäus auf eine Stufe mit der Marseillaise. DDR-WissenschaftlerInnen stellten fest, dass in dem Oratorium Messiah (Der Messias) der Text viel mehr Parallelen mit den Predigten Thomas Münzers aufweist, als mit den eigentlich dem Thema zugrundeliegenden Bibelstellen. Wegen seiner eigenwilligen Messias-Darstellung wurde Händel bereits von Zeitgenossen als großer Heide bezeichnet. Auch die großen Chorwerke wurden für die Händel-Festspiele in Halle durch treffende deutsche Nachdichtungen angereichert, wie das geniale Beispiel der Friedensode zeigt, welche wohl immer mit den legendären Aufführungen der DDR-Zeit in Verbindung gebracht werden wird.

Politische Korrektheit
Händel war nicht nur frühbürgerlich (unabhängiger Musikunternehmer), aufgeklärt (Opern-Themen) und sozialrevolutionär (Freiheits-Oratorien), sondern auch politisch korrekt, indem er gegen die Überlieferung frauenfeindlicher und antisemitischer Tendenzen in der Bibel vorging. Im Oratorium Samson erscheint daher im Gegensatz zum Bibeltext Dalila als emanzipierte Frau. In der Johannespassion weigerte sich Händel, das Auftreten des jüdischen Volkes mit musikalischen Mitteln als hässlich darzustellen, wie dies Bach in seiner Johannespassion in musikalisch genialer, aber eben politisch unkorrekter Weise getan hatte. Nach der auf die römische Bevölkerung zugeschnittenen frühchristlichen Propaganda wuschen sich ja die Römer mit Pontius Pilatus die Hände in Unschuld, während jüdische Protestler hysterisch forderten: Kreuzige Ihn! Während Bach solche Stellen kritiklos übernahm, ließ Händel die Rolle der jüdischen Bevölkerung in dieser Frage komplett außen vor und präsentierte im Gegenteil – in zahllosen Werken – den heldenhaften Freiheitskampf des jüdischen Volkes als Beispiel für andere unterdrückte Völker. Auch im persönlichen Leben zeigte Händel eine soziale Ader, indem er den größten Teil seiner Einkünfte und seines Vermögens Waisenkindern spendete.
Thomas Ripper

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Brandt hat das Wort

Der Kommentar von Konstantin Brandt

Brückenbauer von heute
➽ Brücken wurden schon in der frühen Menschheit gebaut, zuerst nur über kleine Bäche oder Täler. So konnte man zu Fuß, mit dem Esel oder auch mit dem Handkarren schneller von einem Ort zum anderen gelangen. Als der Fortschritt im Verkehrswesen einzog, mußten Eisenbahnbrücken gebaut, Autobahnen mußten überquert werden und breite Flüsse und tiefe Täler waren kein Hindernis mehr. Menschen und Orte kamen sich näher.

Waren es zuerst nur Holzbrücken, wurde später auch Stein und Stahl verwendet. Brückenbauer war ein Beruf, der hohe Ansprüche stellte, denn es kam nicht nur auf die Haltbarkeit und die Statik an, sondern in zunehmenden Maße auch auf Schönheit. Es wurden wahre Architektur – Wunderwerke geschaffen.

Brücken wurden auch im II.Weltkrieg umkämpfte Objekte, wollten die Faschisten doch mit aller Macht den Vormarsch der Roten Armee und der Alliierten aufhalten. Tapfere deutsche Patrioten verhinderten in Dresden die Sprengung einer Brücke durch die SS. Nach dem Sieg der Sowjetunion über den Hitlerfaschismus wurde eine Brücke über die Oder zwischen Frankfurt und Slubice zum Symbol der Freundschaft zwischen den Völkern der DDR und der Volksrepublik Polen.

Auch in der Zahnmedizin sind Brücken etwas verbindendes. Auch aus diesen Gründen wurde im Volksmund einer der bekanntesten Rockballaden der populären DDR-Rockband Karat „ Über sieben Brücken mußt du gehen „ als Lied der Zahnärzte gepriesen.
Politisch und menschlich Brücken bauen, bedeutet einem abseits Stehenden oder vom rechten Weg Abgekommenen, Möglichkeiten zur Versöhnung anzubieten, ohne das dieser sein Gesicht verlieren muß. In der Diplomatie ist man mit dieser Möglichkeit oftmals erfolgreich gewesen. Aber man muß schon wissen, was man will, wo die Grenzen des Möglichen sind und ob der Adressat überhaupt davon Gebrauch machen will.
Heute stellen sich drei Brückenbauer dar : Gregor Gysi, Katja Kipping und Bernd Riexinger. Sie vertreten wohl die Mehrheit der Führung und der Bundestagsfraktion der PdL.

Gregor Gysi war von Anfang an, schon vor dem Sonderparteitag der SED , bereit für das Ankommen in einer kapitalistischen Gesellschaft, Prinzipien zu opfern und möchte heute seine Partei in eine Koalition auf Bundesebene mit den Kriegsparteien SPD und Bündnis 90 – Die Grünen führen. Katja Kipping empfindet Sympathien für Konterrevolutionen, nicht erst in der DDR im Jahre 1989, sondern auch in der CSSR im Jahre 1968, die sie „Prager Frühling“ nennt.
Bernd Riexinger erscheint hilflos und naiv, wenn er erklärt, daß Bodo Ramelow nicht der Kretzschmann der Linken werde und Herr Ramelow einen Tag später erklärt, daß er sich durchaus eine Rente mit 70 vorstellen kann.
Also – zu wem und wohin wollen diese Funktionäre Brücken bauen. Sollten die noch vorhandenen marxistischen Kräfte in der Partei gemeint sein? Gibt man damit zu, daß ein reißender Fluß oder ein tiefes Tal zwischen ihren Ansichten besteht?
Nein! Es geht um einen Brückenschlag in die heutige kapitalistische Gesellschaft der BRD. Wir sollen alle Militarismus, Faschisierung, Rassismus und Sozialabbau hinnehmen. Bestenfalls sollen wir dabei helfen, Wahlen zu gewinnen, um einige Auswüchse zu verhindern, aber nicht mehr die Gesellschaft grundlegend zu verändern.
Wobei uns eine ehemalige Pionierleiterin auch erklärt, daß sie durchaus nicht alle von uns wollen. In einem Interview mit der Süddeutsche Zeitung bekennt sie, daß sie natürlich in ihrem Wahlbezirk auch ehemalige NVA- oder Stasi-Offiziere kenne. Die Linke, so führt sie weiter aus, habe sich ihrer 1990 angenommen, auch weil klar war, daß viele gefährdet waren, bei den Republikanern zu landen.
Wörtlich: „Es gab mal eine sehr bewußte Entscheidung, die uns heute sehr viel Ärger macht, sich den sozialen Interessen der ehemaligen bewaffneten Kräften zuzuwenden. Ein Fehler, das ist für sie klar. „Da muß man eine knallharte Trennlinie ziehen.“
Auf diesem Wege wird das Brückenschlagen zu den Herrschenden zeitweilig Erfolg haben. Die PdL wird daran zerbrechen.

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Serie: Spurensuche – Der Berliner Anstoß auf den Spuren der Arbeiterbewegung in Berlin

Der Admiralspalast Wiege des Demokratischen Frauenbundes

Endlich … März klingt doch schon ganz schön nach Frühling – nach Sonne, Blumen und Vogelgezwitscher. Da macht es doch wieder richtig Spaß auf Spurensuche zu gehen. Und natürlich klingt März ganz laut nach dem Internationalen Frauentag. In der DDR ein richtig dicker Feiertag für alle Frauen. Mit vielen Blumen, Festreden und vielen Ehrungen. In Westberlin und der BRD war es eher eine Sache der Gewerkschaften und Kommunisten. Die meisten Frauen bekamen – bis auf ein paar halbherzige Zeitungskommentare – nicht sehr viel davon mit.

Die Gegend um den Bahnhof Friedrichstraße herum ist immer randvoll mit Erinnerungen – auch und gerade für „Wessis“. An tolle Theatererlebnisse im Berliner Ensemble und im Friedrichstadtpalast. Na ja, auch an manchmal sehr lange Wartezeiten am Grenzübergang. Hat sich aber immer gelohnt. Und natürlich auch an das „Metropol-Theater“.- den früheren und jetzigen „Admiralspalast“. Ich kannte das „Metropol“ schon als Kind. Meine Lieblingstante arbeitete da. Sie war sehr begeistert von aller Theaterkunst. Sie war die Lohnbuchhalterin des Metropol. Nicht direkt auf der Bühne – aber immerhin. Manchmal nahm sie mich mit in dieTheaterkantine. Sie war mit allen Schauspielern per du – und ich war sehr stolz auf meine Tante.

Das Haus hat eine wirklich faszinierende Geschichte. Man ahnt gar nicht, dass es im Jahre 1873 als „Admiralsgartenbad“ errichtet wurde, nachdem Bauarbeiter zufällig eine Solequelle entdeckt hatten. Es wurde eine ganz mondäne Kurbadestelle bis es 1910 in einen viergeschossigen Vergnügungspalast mit Bädern, einer großen Eiskunstlaufbahn und Restaurants umgebaut wurde. Sozusagen ein frühes SEZ – nur nicht so volkstümlich. Schon zehn Jahre später wurde es dann zu einem großen Varietetheater umgestaltet und hieß „Theater im Admiralspalast“. 1930 wurde es dann noch einmal auf 2200 Plätze erweitert. Und dann war auch hier Schluss mit lustig. Erst wurde auf Anordnung von Reichsminister Goebbels das Solebad geschlossen und dann im Theater eine „Führerloge“ eingerichtet. Am 1. September 1944 wurde das Haus endgültig geschlossen.

Dann kam im Mai 1945 die Rote Armee und damit auch endlich wieder der Frieden nach Berlin. Und mit der Roten Armee kam auch der sowjetische Militärkommandant Nikolai Bersarin. Ein großer Kunst- und vor allem Opernliebhaber. Er sorgte schon 1945 für den Zusammenschluss des Hauses mit der zerstörten „Deutschen Staatsoper“ und schon am 23. August 1945 (!) wurde in dem Haus die Oper Orpheus und Eurydike aufgeführt. Mitten in den Trümmern. Was für ein Triumph der Kunst und des Friedens über die Barberei!

Und was passierte nicht auch sonst alles in diesen „heiligen Hallen“. Am 29. Januar1946 der Festakt zur Wiedereröffnung der Berliner Universität. Und natürlich: Am 21. und 22. April 1946 fand dort der Vereinigungsparteitag der KPD und der SPD statt. Was für ein Triumph für die Arbeiterklasse! Und dazwischen immer wieder Opern- und Theateraufführungen.

Als 1955 die Staatsoper wieder in ihr Gebäude zurück kehren konnte zog das Metropol-Theater in die Räume ein. Und im Vorderhaus der Journalistenverband der DDR und – natürlich ganz wichtig das Kabaret „Die Distel“.


Dann kam das Jahr 1989 und damit auch für das „Metropol“wurde es sehr schwierig . Nach vielem Hin- und Hergezerre und dem üblichen Gezänk um die Finanzierung wurde das Haus 1997 erst einmal geschlossen. Erst 2006 wurde das Haus mit einer Aufführung der „Dreigroschenoper“ unter der Leitung von Klaus Maria Brandauer wieder eröffnet. Im August 2010 musste das Haus Insolvenz anmelden und schleppt sich seitdem von einer Aufführung zur anderen – immer mit der drohenden Schließung im Nacken. Wenigstens steht das Haus unter Denkmalschutz – aber bei der Berliner Bauwirtschaft kann man ja nie wissen. Ist ja eine gute Gegend.


Und was hat das nun alles mit dem dem Internationalen Frauentag zu tun? Na, ganz klar: Am 8. März 1947 wurde im Admiralspalast der Demokratische Frauenbund gegründet!!

Die ganze Anstoß-Redaktion wünscht euch allen einen ganz tollen und kämpferischen Internationalen Frauentag!
Ingeborg Lohse-Geserick

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