Berliner Anstoß Ausgabe Juli 2016

Kein Frieden mit der NATO

Büchel ist überall - atomwaffenfrei jetzt!

Auf zum Anti-NATO-Gipfel nach Warschau!

80 Jahre Militärputsch gegen die demokratische Volksfront-Regierung in Spanien

Volkes Kongress Chinas 2016

Eine karibische Spurensuche

Berlin Telegramm

Klassiker zum Ausschneiden: Clara Zetkin Teil VII






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Kein Frieden mit der NATO

Kein Frieden mit der NATO
Antikriegsmarkt am 9. Juli 2016, 13-17 Uhr
an der Gedächtniskirche
Rudolf-Breitscheid-Platz
Diskussionen, Musik, Talk, Aktionen




Warum beteiligt sich die Bundeswehr an Militäreinsätzen in 17 Ländern, obwohl von dort keine Gefahr für uns ausgeht?
Die NATO verlangt von uns die Erhöhung unseres Militäretats um fast zwei Drittel. Wird dieses Geld nicht dringender im zivilen Bereich benötigt?
Muss das Vordringen der NATO bis an die Westgrenze Russlands nicht als aggressiver Akt erlebt werden? Erhöhen sich nicht vielmehr Spannungen und die Gefahr unkontrollierbarer Eskalationen?
Ist es nicht endlich an der Zeit, Atomwaffen grundsätzlich zu verbieten, anstatt sie zu „modernisieren“ und - wie jetzt für Warschau geplant - ihre Rolle im Rahmen der NATO-Strategie zu betonen?
Die NATO gibt sich dialogbereit, setzt aber gleichzeitig zunehmend auf militärische Stärke. Heißt das nicht, mit vorgehaltener Pistole zu verhandeln?
Auf unserem Antikriegsmarkt am 9. Juli, parallel zur NATO-Tagung und den internationalen Protesten in Warschau, können Sie sich an der Berliner Gedächtniskirche über die Pläne der NATO und die Gefahren, die von diesen Plänen für uns und die Welt ausgehen, informieren und mit uns diskutieren.
Die Gedächtniskirche wurde als Ruine bewahrt, um die Erinnerung an die Zerstörungen des 2. Weltkriegs wach zu halten und zu mahnen.

KEIN FRIEDEN MIT DER NATO

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Büchel ist überall - atomwaffenfrei jetzt!

Vom 26. März bis 09. August 2016, dem Nagasaki–Gedenktag, finden am Fliegerhorst Büchel 20 Wochen lang verschiedene Aktionen von Gruppen, Initiativen und Einzelpersonen der Friedensbewegung gegen die dortige Stationierung von 20 amerikanischen Atomwaffen statt, die eine um Vieles größere Sprengkraft als die von Hiroshima und Nagasaki haben. Kommunisten aus Deutschland, Belgien, Luxemburg und den Niederlanden beteiligten sich vom 25.-28. Mai 2016 mit einer Dauermahnwache an der 20-wöchigen Kampagne.

GenossInnen aus vielen Bundesländern folgten dem Aufruf. Am 26. Mai starteten deshalb auch 2 Genossinnen und 2 Genossen aus Berlin ihre lange, mehr als sechsstündige Fahrt nach Büchel...Wo ist das denn ?? Nie gehört ?? Ein kleiner Ort in der Eifel – einem Mittelgebirge in Rheinland–Pfalz; umgeben von Wiesen und Wäldern. Etwas verschlafen, knapp über 1000 Einwohner; fast 90% katholisch. Fast idyllisch, aber der Schein trügt. Im nahe gelegenen Fliegerhorst wartet der Tod... mit 20 Atomwaffen des Typs B61, bewacht von Soldaten der Bundeswehr. Sofort einsatzbereit könnten sie von Piloten der dort stationierten 140 Mann starken Einheit unter Kommando der US Air Force stehend, mit Tornadojets in Zielgebiete geflogen werden. Büchel steht beispiehaft sowohl für das Zusammenwirken des US- und des deutschen Imperialismus als auch für ihre je eigenen Ansprüche bei der Neuaufteilung der Welt: Von hier aus starten auch die deutschen Tornados zum völkerrechtswidrigen Einsatz in Syrien. In den nächsten Jahren sollen vier Milliarden Dollar zur Modernisierung aufgewendet werden, um die Bomben mit einem Steuerungssystem zu versehen, das sie von Abwurfbomben zu präzisionsgelenkten Fernwaffen machen wird. Eine neue Generation Atomwaffen wird entwickelt. Kosten: 10 Milliarden Dollar !! Hier blockierten Genossinnen und Genossen unserer Partei während der Aktion 2 von 4 Toren; unterstützt von Vertretern der KP Luxemburgs, der niederländischen NCPN und der belgischen PTB sowie der SDAJ; auch Genossen der KP der Türkei fanden sich ein, sowie VertreterInnen des Freidenkerverbandes, die einen Infotisch machten, bei dem die gleichzeitige Mobilisierung nach Ramstein ebenfalls eine Rolle spielte. Hierzu rief auch der Vorsitzende der DKP, Patrik Köbele auf. Bei der Abschlusskundgebung auf der Friedenswiese vor dem Fliegerhorst betonten alle Vertreter der befreundeten Parteien die Notwendigkeit, den Kampf gegen Militarisierung und Krieg zu aktivieren und eng mit der Friedensbewegung zusammen zu arbeiten. In seiner Abschlussrede hob Patrik Köbele hervor, dass wir im nächsten Jahr wiederkommen und alle Tore des Fliegerhorst blockieren werden! Büchel dürfe nicht für den Kriegskurs der USA und der NATO, für die Einkreisung Russlands, für die dramatisch wachsende Kriegsgefahr stehen. Nicht für die Beteiligung der Bundeswehr an Kriegen und Auslandseinsätzen – den Ursachen für Tod, Vernichtung und Flucht. Wir werden nicht nachlassen, die Politiker an den 2010 vom Bundestag beschlossenen Abzug aller Atomwaffen aus Deutschland zu erinnern und die Realisierung zu fordern ! Begleitet von der Gruppe „ Musicandes" wurde das Abschlussmeeting zu einem Fest des Friedens und der Solidarität, an dem über 100 Teilnehmer ihre Bereitschaft bekräftigten den Kampf für Frieden, gegen Krieg und Aufrüstung aktiv weiter zu führen. Auf unserer Heimfahrt war uns Berliner Genossinnen und Genossen ganz klar: Wir kommen wieder und im nächsten Jahr werden alle Tore blockiert !! Dann werden wir BerlinerInnen in Büchel noch viel stärker vertreten sein!

Wie P.Köbele hervorhob:
Stoppt die NATO, keine Osterweiterung, Frieden mit Russland, Abrüstung jetzt !!

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Auf zum Anti-NATO-Gipfel nach Warschau!

Provozierender – gegenüber Russland - hätte der gewählte Tagungsort kaum sein können: der nächste NATO-Gipfel findet in Warschau statt. Am 8. und 9. Juli 2016 treffen sich dort die Vertreter der NATO-Staaten. Was ist von der Tagesordnung zu erwarten? Kurzgefasst könnte man sagen: anvisiert wird die 360o-NATO im Drohmodus und permanenten Bündnisfall nach Art. 5 des Washingtoner Vertrages. Das ist natürlich nicht das Selbstverständnis des Bündnisses. Da geistern eher Begriffe wie "Sicherheits- und Verteidigungsbündnis" durch die Erklärungen, auch schon mal "Wertegemeinschaft NATO" (so Norbert Röttgen bei Anne Will am 29.5.16)!

Worüber werden die Damen und Herren in Warschau beraten?
Zum einen steht die Erweiterung des Bündnisses zur Diskussion: Georgien, Moldavien, Mazedonien sind weiter 'auf dem Schirm', für die Nord-Erweiterung sind Finnland und Schweden mögliche neue Kandidaten.... und aktuell wird über die 360 Grad-Variante sinniert: die Anbindung von Staaten der arabischen Welt an die NATO. Als solche 'Ankerstaaten' sind Irak, Jordanien und Tunesien im Gespräch, angeblich auf Drängen der südeuropäischen NATO-Staaten, die mit der ausschließlichen Fokussierung auf Russland unzufrieden seien.

Steigerung des deutschen Militäretats um zwei Drittel
Außerdem wird es auf jeden Fall um die Erhöhung der Militärausgaben gehen. Bei der letzten Tagung in Wales hatten die Mitgliedsstaaten auf Druck der USA hin zugesagt, ihre Ausgaben für's Militärische auf 2% des Bruttoinlandsprodukts (BIP) zu steigern - auch Deutschland. Umgesetzt wurde das bisher jedoch kaum, auch im Bundeshaushalt nicht. Damit soll nun Schluss sein! Von jetzt ca. 35 Mrd. € soll der deutsche Militärhaushalt bis 2024 schrittweise auf jährlich ca. 60 Mrd. € erhöht werden...eine Steigerung um etwa 65 %. Dieses Geld - eingesetzt für Entwicklung und Kauf von Rüstung, Vergrößerung der Bundeswehr und noch mehr Auslandseinsätze – wird in den sozialen Bereichen fehlen, wo es dringend benötigt wird.

'Bündnisverpflichtungen' sind der willkommene Vorwand für die Erweiterung und Einrichtung einer dauerhaften Militärpräsenz an der NATO-Ostflanke, denn von Russland droht angeblich Gefahr. So wollen die NATO-Strategen eine gefährliche Mobilisierungslücke entdeckt haben: der Russe sei schneller und stärker, heißt es, und diesem Tempo und dieser Stärke sei auch die schnelle Eingreiftruppe der NATO im Ernstfall nicht gewachsen. Eine neue 'Nachrüstung's-Lüge!!

Atomare Aufrüstung für den Erstschlag
Nicht zuletzt wird es in Warschau auch um die Nuklearstrategie der NATO gehen. Durch die geplante Modernisierung des gesamten US-Atomwaffen-Bestandes und der Trident-Raketen in England droht ein Wettrüsten auch auf diesem Gebiet....mit der Konsequenz, dass die Gefahr eines Atomkrieges in Europa zunimmt. Die NATO setzt weiterhin nach eigener Lesart auf 'Abschreckung', schließt aber bis heute den Ersteinsatz von Atomwaffen nicht aus! Im Gegenteil: Neue US-Atomwaffen (B61-12) sollen im nächsten Jahrzehnt in einigen Ländern Europas (Deutschland, Niederlande, Belgien, Italien, Türkei) stationiert werden. Es sollen lenkbare, in der Stärke skalierbare und bunkerbrechende Nuklearbomben sein – also Kriegsführungswaffen! US-Militär-Think-Tanks haben längst die Blaupausen für den Einsatz solcher Waffen entwickelt. So propagiert das CSIS (Center for Strategic and International Studies), die USA sollten mit hochmobilen atomschlagfähigen Einheiten 'kontrollierte nukleare Angriffe' führen und Bomben 'mit geringen Nebenwirkungen, genauer Zielführung und Spezialeffekten' auf feindliche Ziele abfeuern, ohne dass es zu einem umfassenden Nuklearkrieg führen müsste. Atombomben mit genau diesen Eigenschaften sollen in wenigen Jahren in Büchel in der Eifel stationiert werden. Dazu darf es nicht kommen! Mit dieser Forderung hat die DKP Ende Mai dieses Jahres drei Tage lang im Rahmen der Kampagne "Büchel ist überall – atomwaffenfrei.jetzt" Aktionen zivilen Ungehorsams am Fliegerhorst Büchel durchgeführt, zusammen mit Genossinnen und Genossen der kommunistischen Parteien der Niederlande, Belgiens und Luxemburgs. 'Diesen Protest setzen wir fort und verbreitern ihn', da waren sich alle Beteiligten einig.

Zum Protest gegen die Politik der NATO, gegen die Erweiterung und Aufrüstung auch mit Nuklearwaffen, gegen die Konfrontation mit Russland rufen Gruppen der Friedensbewegung in vielen Ländern auf. In Warschau wird es einen Gegengipfel mit internationaler Beteiligung und Demonstrationen geben.


Die Berliner Friedenskoordination veranstaltet ihren diesjährigen Antikriegsmarkt am 9. Juli 2016 von 13-17 Uhr am Breitscheidtplatz unter dem Motto "Kein Frieden mit der NATO". Die DKP Berlin ist dabei!

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80 Jahre Militärputsch gegen die demokratische Volksfront-Regierung in Spanien

Am 17./18. Juli 1936 putschten vier Generale der spanischen Armee gegen die im Februar des Jahres rechtmäßig gewählte Volksfrontregierung der spanischen Republik. Der Putsch drohte im Keim zu ersticken, denn die aufgebrachte Bevölkerung und der Regierung loyal gegenüberstehende Truppenteile wehrten sich vehement und trieben die Putschisten in die Kasernen zurück. Diese erhielten jedoch sofortige militärische und logistische Hilfe der faschistischen Regime in Italien und Deutschland, was ihnen die Aufrechterhaltung der Kampfhandlungen überhaupt erst ermöglichte. Dies war der Beginn des Spanienkrieges, der oft fälschlicherweise “Spanischer Bürgerkrieg“ genannt wird, was nicht den Tatsachen entspricht.

Schon die Ausrufung der Zweiten Spanischen Republik am 14. April 1931 erfüllte weite Teile der Bevölkerung mit Optimismus, denn die neue Regierung versprach einen längst überfälligen demokratischen Aufbruch herbeizuführen. Sie wollte das Land mittels Reformen von seinen mittelalterlichen Fesseln befreien, was für die Koalition aus liberal-bürgerlichen und linken Parteien keine leichte Aufgabe war. Die im Februar 1936 neu gewählte Volksfront-Regierung allerdings legte ein radikaleres Programm auf, welches die Großgrund - und Fabrikbesitzer um ihre Privilegien bangen ließ. Der Klerus fürchtete bei einer Trennung von Staat und Kirche um seinen gesellschaftlichen Einfluss und stellte sich offen gegen die Republik. Zudem missbilligten konservative Kreise das Wohlwollen, das die Republik den Autonomiebestrebungen der Katalanen und Basken entgegenbrachte. Dieses republikfeindliche Klima schürte ein Zirkel führender Armeeoffiziere, darunter auch Spaniens jüngster General Francisco Franco y Bahamonde (1892-1975), indem er propagierte, Spanien stünde eine ähnliche Revolution bevor wie 1917 in Rußland. Da weder aus dem Staatsapparat noch aus der Armee die Feinde der jungen Republik entfernt worden waren, kam es bereits im Herbst 1932 zum ersten Putschversuch durch General José Sanjurjo Sacanall (1872-1936). Republikanische Einheiten konnten den Putsch zwar verhindern, die Justiz verfuhr aber milde mit den Aufständischen, begnadigte deren Anführer und begünstigte so deren Flucht ins Ausland. Von dort aus plante Sanjurjo umgehend den nächsten Angriff auf die Republik. Währenddessen begann sich in Spanien die Rechte zu formieren: 1933 erfolgten sowohl die Gründung des Rechtskartells C.E.D.A. unter José María Gil Robles y Quiñones (1898-1980) als auch die Gründung der Falange-Partei durch José Antonio Primo de Rivera (1903-1936), den Sohn des abgesetzten Diktators, einen Bewunderer Hitlers.

Keine einheitliche Linie der republikanischen Kräfte
Die spanische Rechte war nicht gewillt, die Wahlniederlage vom Februar hinzunehmen. Dabei kam ihr entgegen, dass die republikanischen Kräfte sich nicht auf eine einheitliche Linie einigen konnten: Kommunisten und Sozialisten sahen ihr vordringlichstes Ziel darin, das politisch Erreichte zu festigen und eine solide Regierung zu bilden. Demgegenüber sahen die Anarchisten in der Linksmehrheit noch nicht ihr Ziel erreicht, sie wollten die Republik zerschlagen und einen anarchistischen Staat errichten, so dass sich die Regierung nicht nur gegen ihre Feinde von rechts, sondern nun auch gegen die von links zur Wehr setzen musste. Der Putsch der Faschisten begann weitab von der Madrider Zentralgewalt in den nordafrikanischen Kolonien und griff innerhalb weniger Tage auf das spanische Festland über. Am 17. Juli kam es zu Aufständen im Militärstützpunkt Marokko, am darauffolgenden Tag brachte Franco die Kanarischen Inseln unter sein Kommando, schließlich stand der größte Teil des Militärs hinter ihm. Die Ereignisse trafen die Regierung in Madrid völlig unvorbereitet. Die Arbeiter in der Hauptstadt erhoben sich spontan und verlangten Waffen, um die Republik zu verteidigen. Am 18. Juli wurde über Radio Madrid verbreitet, der Aufstand wäre niedergeschlagen, Franco und die anderen aufständischen Generale seien ihrer Posten enthoben. Anschließend sprach die führende kommunistische Politikerin Dolores Ibarruri. Die Bergarbeitertochter aus dem Baskenland war besonders für ihre leidenschaftlichen Reden bekannt, was ihr den Beinamen “La Pasionaria“ eintrug. Ihre Rundfunkrede am Abend des 18. Juli schloß mit dem Aufruf: "Es ist besser, auf den Füßen zu sterben, als auf Knien zu leben. ¡No pasarán!“ (Sie werden nicht durchkommen).

Der deutsche Imperialismus tritt in den Krieg ein
Mit diesen entschlossenen Worten war sie zum Sprachrohr des Widerstands gegen die faschistischen Truppen geworden. Die militärische Intervention Hitlerdeutschlands zugunsten der spanischen Faschisten um General Francisco Franco lag lange vor dem Gründungsdatum der Legion Condor am 6. November 1936. Bereits wenige Tage nach dem Militärputsch vom 17./18. Juli waren seine Aufrührer mit der Bitte um dringend benötigte Hilfe in Berlin und Rom vorstellig geworden und hatten entsprechendes Gehör gefunden: Ihnen fehlten die Kapazitäten zum Übersetzen ihrer in Spanisch-Marokko festsitzenden Truppen. Bereits Ende Juli wurde daraufhin mit deutschen Ju-52-Transportflugzeugen eine Luftbrücke zur Iberischen Halbinsel installiert. Mit der konnten in den nächsten Wochen rund 15000 Franco-Söldner und 300 bis 500 Tonnen Kriegsmaterial über das Mittelmeer befördert werden. Zeitgleich machten sich Jagdflieger und Bomberpiloten mit ihren Maschinen auf den Seeweg nach Spanien. Koordiniert wurden diese Transporte von einem am 27. Juli eingerichteten »Sonderstab W« bei Luftwaffenchef Hermann Göring. Das erste Projekt des Sonderstabs W wurde nach dem 3. Aufzug, 3. Szene aus Wagners "Walküre", Unternehmen Feuerzauber benannt. Es war die Luftbrücke mit Flugzeugen der Deutschen Lufthansa AG, durch welche Truppen der Putschisten, darunter auch Fremdenlegionäre, von Spanisch-Marokko auf das Festland nach Cádiz und Málaga verlegt wurden. Die Verlegung dauerte von Juli bis Oktober 1936. Unvollständigen Angaben zufolge wurden allein bis Ende Oktober 1936 von den Nazis 87 Flugzeuge nebst dazugehörigen Bomben, über 30 Fliegerabwehrgeschütze, mehr als 40 Panzer, 50 Granatwerfer, 30000 Gewehre und 212 MG inklusive passender Munition geliefert. Als knapp zwei Wochen vor der diplomatischen Anerkennung des inzwischen in Burgos etablierten Franco-Regimes durch Hitlerdeutschland am 18. November dieses komplette Luftwaffenkorps von seinem Chef, Generalmajor Hugo Sperrle, einsatzbereit gemeldet wurde, verfügte es über 48 Bomben- und ebenso viele Jagdflugzeuge. Hinzu kamen Aufklärer- und Seefliegerkräfte, eine Flak- und eine Nachrichtenabteilung der Luftwaffe sowie verschiedene Heereseinheiten mit wenigstens vier Panzerkompanien. Die Personalstärke lag bei 5500 bis 6000 Mann. Als deutsches Unternehmen spendete z. B. die IG-Farben mehrmals während des Spanischen Krieges Beträge in Höhe von 100.000 Peseten und bedachte auch militärische Erfolge Francos mit Sonderprämien. Sie unterstützte auch gemeinsam mit Siemens und anderen deutschen Unternehmen die Sanitätstruppe der Putschisten. Zudem lieferte die IG-Farben wichtige Rohstoffe zur Erzeugung von Kriegsgütern wie für die Legion Condor die Elektron-Thermit-Stabbrandbombe B1E , die bei dem Luftangriff auf Gernika und andere baskische Städte eingesetzt wurde. Wer kann angesichts dieser Tatsachen ernsthaft glauben, es habe sich darum gehandelt, daß sich die Bürger der Spanischen Republik in einem Krieg gegeneinander bekämpft hätten. Natürlich gab es auch Spanier, die freiwillig oder unfreiwillig auf Seiten der Faschisten gekämpft haben - aber in der Summe waren die Einsätze der deutschen Wehrmacht, das deutsche Kriegsgerät und der italienischen Truppen Kriegsentscheidend. Das Truppenkontingent das Italiens Diktator Benito Mussolini nach Spanien befohlen hatte belief sich auf 150.000 Mann. Die italienische Luftwaffe bombardierte bereits einige Wochen vor dem Angriff der Deutschen auf Gernika die baskische Stadt Durango.

Ein hoher Blutzoll der Interbrigadisten
Gegenüber dieser mächtigen Militärmaschinerie nahm sich die Aufstellung der Interbrigaden zur Verteidigung der Spanischen Republik im am 9. Oktober 1936 eher bescheiden aus. Am 3. August 1936 hatte die Komintern eine Resolution zur Aufstellung einer Internationalen Brigade getroffen, allerdings erst am 18. September eine Sitzung einberufen, in der Eugen Fried den Beschluss zur Aufstellung einer Internationalen Brigade verkündete. Hieraufhin organisierten Kommunistische Parteien verschiedener Länder die Rekrutierung von Freiwilligen. Die Sollstärke der Internationalen Brigaden lag bei 18.000 Mann, welche aber durch die anhaltenden Verluste nie erreicht wurde. Mehr als die Hälfte der insgesamt 40.000 Interbrigadisten kam ums Leben. Mäßig bis schlecht ausgerüstet und zusätzlich durch das Sprachenproblem beschränkt, machten die Interbrigadisten, die sich in Verkennung ihrer Kampfkraft als Elitetruppen begriffen, nur wenige Unzulänglichkeiten durch Enthusiasmus wett. Auch der Vorsitzende des Kommunistischen Jugendverbandes Deutschlands (KJVD) und Reichstagsabgeordnete Artur Becker kam im Spanischen Krieg ums Leben. Nachdem er in die Hände der Faschisten gefallen war, folterten sie ihn, um an Informationen zu gelangen. Nach mehrwöchigen Verhören wurde er am 16. Mai 1938 in einem Gefängnis von Burgos erschossen. Für die aktuelle Senatspolitik ist ein Gedenken an seine Person augenscheinlich unwürdig, so wurde die Artur-Becker-Straße in Berlin am 1.11.1995 in “Kniprodestraße“ umbenannt. Die am 6. Juni 1939 zu Ehren der siegreich aus dem Spanischen-Krieg heimkehrenden Legion Condor umbenannte Wannseestraße dagegen heißt immer noch “Spanische-Allee“!
Stefan Natke

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Volkes Kongress Chinas 2016

Derzeit ist der XII. Kongress im Amt. Die für eine Wahlperiode von 5 Jahren gewählten Delegierten sind keine Berufsparlamentarier wie in der BRD ab Landtag aufwärts. Normalerweise tagt der Kongress ein Mal im Jahr, und zwar stets ab 5. März etwa zwei Wochen lang in der Großen Halle des Volkes zu Beijing. Der Staatsrat (Regierung), der Finanzminister, die Präsidenten der Staatsanwaltschaft und des Obersten Gerichtes, die Vorsitzenden der Kommission für Planung, Reform und Entwicklung sowie der Militärkommission erstatten vormittags Berichte über die Tätigkeit im abgelaufenen Jahr, welche anschließend bis abends in zahlreichen Arbeitsgruppen diskutiert werden und alle Delegierten – gewappnet mit aussagekräftigen Materialien ihres Verantwortungsbereiches – zu Wort kommen. Dabei zeigt sich übrigens die Aussage- und Reaktionsfähigkeit der die Arbeitsgruppen leitenden Kräfte der obersten Führungsebene. Am Ende der Jahrestagung werden die auf Grund der Arbeitstagungen vorgeschlagenen Änderungen der Berichte zur Beschlussfassung vorgelegt. Sie dienen dem Ständigen Ausschuss des Kongresses als inhaltliche Orientierung für die Erarbeitung von Entwürfen zu Gesetzen oder Verordnungen. Zum Kongress gehören derzeit etwa 3000 Delegierte; sie vertreten mit beschließender Stimme die etwa 1350 Millionen Einwohner der Volksrepublik China (zum Vergleich: in den USA gibt es etwa 300 Millionen). Die Kommunistische Partei Chinas, die 1921 gegründet wurde und seit Oktober 1949 Regierungspartei ist, zählt rund 86 Millionen Mitglieder. Jedes Jahr schon ab 3. März tritt eine Körperschaft zusammen, die sich im September 1949, also noch vor der Ausrufung der Volksrepublik am 1. Oktober 1949 durch Mao Zedong, gründete und von der Witwe des 1925 verstorbenen ersten Präsidenten Sun Yatsen der Republik China geleitet wurde. Es handelt sich um die Nationale Politische Konsultativkonferenz, deren ebenfalls etwa 3000 Mitglieder beratende Stimme zu den dem Kongress vorgelegten Berichten haben. Diese Einrichtung erinnert mich in etwa an unsere Nationale Front des demokratischen Deutschland. Zu ihr gehören Delegierte der 8 demokratischen Parteien, des Gewerkschafts-, des Frauen-, des Jugend- sowie des Industrie- und Handelsverbandes, Wissenschaftler und Künstler. Das Kongress- und das Konsultativkonferenzsystem gibt es von der obersten Ebene über die Provinzen bis in die Kreise, Bezirke und Gemeinden.

In der Verfassung Chinas heißt es u.a.: „Im Jahre 1949 haben die Völker Chinas der verschiedenen Nationalitäten, geführt von der Kommunistischen Partei Chinas, an deren Spitze der Vorsitzende Mao Zedong stand, nach einem langen, harten und wechselvollen bewaffneten Kampf und in Kämpfen anderer Form schließlich die Herrschaft des Imperialismus, des Feudalismus und des bürokratischen Kapitals gestürzt, den Sieg in der neudemokratischen Revolution errungen und die Volksrepublik China gegründet. Damit hat das chinesische Volk die Macht im Staat erobert und ist zum Herrn des Staates geworden. Nach der Gründung der Volksrepublik China ist unsere Gesellschaft allmählich von der neuen Demokratie zum Sozialismus übergegangen. Die sozialistische Umgestaltung des Privateigentums an den Produktionsmitteln ist abgeschlossen, das System der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen abgeschafft und die sozialistische Ordnung errichtet worden. Die demokratische Diktatur des Volkes, die von der Arbeiterklasse geführt wird und auf dem Bündnis der Arbeiter und Bauern beruht, dem Wesen nach also eine Diktatur des Proletariats ist, ist gefestigt und weiterentwickelt worden. Das chinesische Volk und die Chinesische Volksbefreiungsarmee haben Aggression, Sabotage und bewaffnete Provokationen des Imperialismus und des Hegemonismus abgewehrt, die Unabhängigkeit und Sicherheit des Landes gewahrt und die Landesverteidigung gestärkt. Beim wirtschaftlichen Aufbau sind große Erfolge erzielt worden. Es hat sich im wesentlichen ein unabhängiges, relativ vollständiges System der sozialistischen Industrie herausgebildet, die landwirtschaftliche Produktion hat sich deutlich erhöht, Erziehung, Wissenschaft und Kultur haben große Fortschritte gemacht. In der sozialistischen ideologischen Erziehungsarbeit wurden spürbare Ergebnisse erzielt. Der Lebensstandard der Volksmassen hat sich bedeutend verbessert.“ Im Mai 1989 schloss sich eine Mehrheit der obersten Führung dem Argument an, dass man über eine Verbesserung der sozialistischen Gesellschaft nur diskutieren kann, wenn man sie nicht zerstört, sondern bewahrt. Diese Lösung schmeckt bis heute nicht den Gegnern sozialistischer Gesellschaftszustände. Die chinesische Führung erwies sich als erstaunlich lernfähig, kritisch, selbstkritisch und weltoffen hinsichtlich der Geschichte der Theorie und Praxis des Sozialismus. In den vergangenen 27 Jahren ist die chinesische Volksrepublik der Sache nach eine Weltmacht geworden – auch wenn ihre Führung diesen Ausdruck nicht verwendet. Die Haupterkenntnis ihrer (derzeit 5.) Führungsgeneration, die jedes Jahrzehnt planmäßig und zielbewusst verjüngt und erneuert wird, besteht darin, sich ökonomisch so zu stärken, dass man international politisch nicht erpresst werden kann, wie das z. B. auf deutschem Boden der Fall war. Das Zwischenziel bis 2020/21 (100. Jahrestag der Gründung der KPC) besteht darin, eine Gesellschaft mit durchschnittlich bescheidenem Wohlstand zu entwickeln (und dies für über 20% der Erdbevölkerung!!!).

Der Regierungsbericht am 5.3.2016 begann so: „Rechenschaft über die Arbeit des Jahres 2015: Im vergangenen Jahr war die Entwicklung unseres Landes mit zahlreichen Schwierigkeiten und ernsten Herausforderungen konfrontiert. Unter der starken Führung des Zentralkomitees der Partei mit Genossen Xi Jinping als Generalsekretär bewältigte die Bevölkerung aller Nationalitäten des ganzen Landes mit fester Zuversicht und außerordentlichem Mut die Schwierigkeiten und löste die Schlüsselprobleme, strebte bahnbrechend vorwärts und erzielte bei Wahrung der Stabilität Fortschritte und gute Ergebnisse in der wirtschaftlichen und [übrigen] gesellschaftlichen Entwicklung. Die Hauptziele und -aufgaben des ganzen Jahres wurden verwirklicht bzw. erfüllt. Die Reform und Öffnung sowie die sozialistische Modernisierung erzielten neue große Erfolge.
- Der Wirtschaftsablauf wurde in einem rationalen Spielraum beibehalten. Das Bruttoinlandsprodukt betrug 67,7 Billionen Yuan, was eine Zunahme um 6,9% bedeutet, und das nahm eine führende Position unter den wichtigen Wirtschaften der Welt ein. Eine kontinuierliche Erhöhung der Getreideproduktion in 12 aufeinander folgenden Jahren wurde realisiert. Das Wachstum der Verbraucherpreise wurde auf einem relativ niedrigen Niveau gehalten. Insbesondere blieb die Lage der Beschäftigung insgesamt stabil und die Zahl der Beschäftigten in den Städten erhöhte sich um 13,12 Millionen, damit wurden die Zielvorhaben des ganzen Jahres übererfüllt. Das bildet einen großen Glanzpunkt im Wirtschaftsablauf.
- Die Regulierung der Wirtschaftsstruktur erzielte positive Ergebnisse. Der Anteil des Dienstleitungssektors am Bruttoinlandsprodukt stieg auf 50,5% und machte damit zum ersten Mal mehr als die stolze Hälfte des Bruttoinlandsprodukts aus. Der Konsum trug mit 66,4% zum Wirtschaftswachstum bei. Die Hightechindustrie und die Fertigungsindustrie für Anlagen wuchsen schneller als die allgemeine Industrie. Der Energieverbrauch in Relation zum Bruttoinlandsprodukt wurde um 5,6% gesenkt.
- Die neuen Triebkräfte für die Entwicklung entfalteten sich beschleunigt. Die Strategie der innovationsgetragenen Entwicklung wurde kontinuierlich durchgeführt. Das Internet wurde beschleunigt in verschiedene Wirtschaftsbranchen und Industriezweige integriert. Die neuen aufstrebenden Industrien wuchsen rasant. Die Existenzgründungen und Innovationen durch breiteste Volksmassen schritten dynamisch voran.“
Eike Kopf

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Clara Zetkin: Der Kampf der kommunistischen Parteien gegen Kriegsgefahr und Krieg (Teil VII)

                                           Unser revolutionärer Kampf gegen den Krieg heischt dringend, daß besondere internationale Organe und Einrichtungen zur Durchführung geschaffen werden. Es ist nicht ausreichend, Genossinnen und Genossen, daß periodisch internationale Kongresse und Konferenzen der Kommunistischen Parteien stattfinden, die gute und vorzügliche Thesen aufstellen und klingende  Beschlüsse fassen, daß ab und zu Kommunistenführer aus den einzelnen Ländern sich über bestimmte Maßnahmen verständigen. Nein, international muß planmäßig, dauernd gearbeitet werden, damit in den einzelnen Ländern gewaltige Massen Werktätiger mobilisiert werden, um, statt in den Krieg zu ziehen, in der Revolution vorzustürmen. Das ist unmöglich ohne eigene Organe, die diese Arbeit leisten, und ohne Maßnahmen, die aufgrund internationaler Verständigung gemeinsam verwirklicht werden. Das engste, organisierte internationale Zusammenarbeiten zwischen den Kommunisten tut zumal in den Ländern bitter not, in denen die Interessenkonflikte der Bourgeoisie und damit die Krieggefahren besonders groß sind. (…) Die Feuerblume der Solidarität der Proletarier erwächst aus dem nämlichen historischen Erdreich, das unter den elementaren Stößen der Klassengengensätze zwischen Ausbeutern und Ausgebeuteten, der nationalen Kämpfe um Profit und Macht der Bourgeoisie abgrundtief auseinandergerissen wird. Kriegswille und Kriegsfurcht der internationalen Bourgeoisie spielen miteinander diplomatisch, bis in den vulkanischen wirtschaftlichen Tiefen der bürgerlichen Gesellschaft sich der Widerstreit der Kräfte in furchtbaren Weltkriegskatastrophen entlädt. Das Proletariat hat in dem frivolen Spiel und der sich ankündenden Gefahr seinen ernsten und ehernen Willen zur Revolution entgegenzustellen. Und dieser Wille schließt Revolutionsfurcht und Revolutionsspielerei aus. Er muß, international fest zusammengeballt, entschlossene Kampfesbereitschaft sein. Genossinnen und Genossen! Die Weltbourgeoisie fordert das Weltproletariat heraus, seine Kampfesbereitschaft zu erproben. Auf der Konferenz in Genua* will sie die internationale Einheitsfront schließen für den Wiederaufbau der kapitalistischen Wirtschaft, das besagt: gegen das Proletariat. Das Proletariat muß der Konferenz seine eigene internationale revolutionäre Einheitsfront entgegenstellen. Aufgabe der Kommunisten ist es, die breitesten Massen der Werktätigen aller Länder aufzurufen, diese Einheitsfront zu schließen und selbst wegweisend, richtunggebend in ihr zu stehen. Wiederaufbau der kapitalistischen Wirtschaft! Was begreift das in sich? Kriegsrüstungen und Kriege! Abwälzung der Riesenlasten des letzten Krieges und des Wiederaufbaus auf das schaffende Volk in allen Ländern und den einzigen Staat des schaffenden Volkes: Sowjetrußland! Also Steigerung der Ausbeutung der Massen bis zu ihrem Versinken in das tiefste Elend! Also Verschärfung der Unterdrückung bis zur höchsten Sklaverei! Also rücksichtsloseste, gewalttätige Klassendiktatur der Bourgeoisie über das Proletariat!  


*Die Weltwirtschaftskonferenz in Genua tagte vom 10. April bis 19. Mai und beschäftigte sich offiziell mit der Klärung wirtschaftlicher und finanzpolitischer Fragen. Ihr zentrales Problem war jedoch das Verhältnis der imperialistischen Mächte zu Sowjetrußland, das erstmalig an einer internationalen teilnahm und für die Prinzipien der friedlichen Koexistenz eintrat. Die imperialistischen Mächte lehnten diese ab und versuchten vergeblich, Sowjetrußland zu einseitigen wirtschaftlichen Zugeständnissen zu bewegen.  

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Pressemitteilung des DKP-Parteivorstandes, 24. Juni 2016

 

Das andere „Nein“ zur EU

DKP begrüßt Brexit-Entscheidung

  Nachdem Angela Merkel am Freitag Mittag ihre Stellungnahme zum Brexit abgegeben hatte, sagte der DKP-Vorsitzende Patrik Köbele:

  „Angela Merkel ist enttäuscht. In ihrer Stellungnahme zum Brexit-Referendum am Freitag Mittag verkündete sie, man solle dafür sorgen, ,dass die Bürgerinnen und Bürger konkret spüren können, wie sehr die Europäische Union dazu beiträgt, ihr persönliches Leben zu verbessern.' Die arbeitenden Menschen in Europa spüren konkret, wie das imperialistische Staatenbündnis EU dazu beiträgt, ihr Leben zu verschlechtern. Spardiktat und Abschottung, Demokratieabbau und Kriegspolitik: Die EU ist ein Werkzeug der Banken und Konzerne. Deshalb begrüßt die DKP die Entscheidung der britischen Wähler, die EU zu verlassen. Dabei sehen wir natürlich auch die rechten Kräfte im Brexit-Lager. Sie haben die sozialen Probleme benutzt, um Angst vor Flüchtlingen zu schüren. Diese Kräfte sind und bleiben unsere Gegner. Wir sind mit dem anderen Nein verbunden: Dem Kampf für einen linken EU-Austritt, dem ,Nein' zur EU als ,Ja' zur internationalen Solidarität, dem ,Leave'-Votum, das eine soziale Politik fordert. Dieses andere ,Nein' zur EU zeigt eine Alternative zur asozialen Politik der EU und zur rassistischen Hetze der Rechten.“

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Berlin Telegramm

Behördenversagen kostet Millionen
Immer deutlicher zeigt sich, dass der drastische Personalabbau des Berliner Senats der vergangenen Jahrzehnte den Staatskassen teuer zu stehen kommen. Das Chaos in den Bürgerämtern führt zur massenhaften Nichterfassung beispielsweise der Flüchtlinge. Statt massenhafter Mehreinnahmen aus dem Länderfinanzausgleich für den Bevölkerungszuwachs gehen dem Land Berlin allein in diesem Jahr bis 140 Millionen Euro verloren.

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Hauptstadt der Armen
574.039 Berlinerinnen und Berliner waren nach dem Stand von April 2016 auf Hartz IV angewiesen. Die „Leistungen“ aus diesem ALG II liegen deutlich unter der Armutsgrenze. Bei rund 3,5 Millionen Einwohnern sind das rund 16,5 Prozent der Bevölkerung. Das ist der höchste Anteil bundesweit. Berliner ist die Hauptstadt der Armen. Der Bundesdurchschnitt liegt bei 7,7 Prozent und in Ostdeutschland bei 9,5 Prozent.

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Working poor
Zwar wird allgemein zugestanden, dass die Einführung des Mindestlohns zu mehr Geld in den Taschen von Geringverdienern geführt hat, jedoch ist es nur ein Tropfen auf dem so genannten heißen Stein. Auf dem Berliner Arbeitsmarkt beziehen 119.300 Menschen ergänzend Alg II, da sie keinen existenzsicherndernden Lohn erhalten. Auch damit nimmt Berlin eine Spitzenstellung ein.

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„Nationaler Abschiebeplan“ der CDU
In Berlin brauchten sich reaktionäre Kräfte lange nicht um Stimmungsmacher sorgen machen. Das übernahm medienwirksam nicht die typische Rechte, sondern dafür hatte die SPD ihren Sarrazin als Senator und ihren Buschkowsky als Hetzer gegen Minderheiten. Eine Saat, deren Sprösslinge jetzt die AfD einsammelt. Jetzt, wo sich im äußersten Rechten Lager was bewegt, will natürlich auch die Berliner CDU in nix nachstehen. Sie fordert einen „nationalen Abschiebeplan“ um mit Hilfe der Bundeswehr die Flüchtlinge schnell wieder los zu werden.

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Arbeiten in Berlin: Billig für die Konzerne
Die Arbeitsagentur hat eine umfangreiche interessante Datenbank. Nun hat sie die Verdienste der Berufe ins Netz gestellt. So kann man sogar vergleichen wieviel man in seinem Beruf in den Bundesländern Deutschlands verdienen würde. Und: Berliner Jobgehälter stehen zu einem großen Teil unter dem Bundesdurchschnitt. Ob Fachverkäufer, Krankenpfleger, Beamte, Fachärzte, CNS – Dreher, Maurer oder Projektingenieure – sie alle verdienen in Berlin weniger und spülen den Konzernen mehr Geld in die Kassen oder sanieren auf ihre Kosten den Staatshaushalt.

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Senat orientierungslos
Seit Jahren fordern Elternvertretungen, Gewerkschaften, Schulleitungen Investitionen in die Schulen zur Sanierung. Der Senat prüft und prüft und prüft. Nun stellt sich heraus, dass die zuständige Senatsverwaltung überhaupt keinen Überblick über die nötigen Gelder hat. Sind es zwei Milliarden, drei oder vier Milliarden? Keiner weiß es oder will es nicht sagen! Denn der genaue Sanierungsbedarf wird erst nach den Wahlen klar sein. Zufall?

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Viva la Cuba - Es lebe Kuba

Eine karibische Spurensuche

Ja, manchmal habe ich großes Glück. Diesmal führte mich die Spurensuche und mein ewiges Reisefieber zum dritten Mal in die sozialistische Republik Kuba. Nach einem langen, langen Flug kamen wir mitten in der Nacht auf dem kleinen Touristenflughafen Varadero an – und natürlich ging es am nächsten Morgen noch vor dem Frühstück gleich runter zum Strand. Der Golf von Mexiko war wieder genauso blau wie auf den Ansichtskarten und die Luft wie Seide. Und die vielen Palmen waren wirklich echt. Es war erst mal völlig unwirklich. Aber spätestens nachdem mir eine kubanische Familie sehr temperamentvoll klar machte, dass ich mitten in ihrer Sandburg stand, war klar: Ich träumte nicht. Und: Es waren Schulferien in Kuba. Erst mal ein paar Tage ausruhen, schwimmen – und dann bei Paula im kleinen Hotel-Reisebüro „Cuban-Tours“ die Ausflüge zusammenstellen. Ach ja, unser Hotel: Ganz im Westen von Varadero – ganz weit weg von der Hotel-Zone. Es wurde 1928 erbaut und ist heute – im Gegensatz zu vielen spanischen und französischen Hotels - ein staatlicher Betrieb. Gleich 500 Meter weiter war die riesige Villa von Al-Capone. Nun ja, Al-Capone ist ja nicht mehr da – und seine Villa jetzt ein elegantes Fischrestaurant. Varadero war vor der Revolution die Stadt des US-Geldadels. Hier leben ca. 22 000 Kubaner. Aber auch Batista hatte hier eine riesige Sommerresidenz. Dieses Anwesen ist heute der Emile Tuton-Park, benannt nach dem Erschaffer des kubanischen Staatswappens. Ein wunderschöner, riesiger Park mit einem See auf dem man Tretboot fahren kann, einer kleinen Kinder-Eisenbahn und einem Gartenrestaurant der besten Pina-Colada Kubas.

Unser erster Ausflug führte uns auf die Zapata-Halbinsel – ganz im Süd-Westen Kubas. Ein streng geschützter Nationalpark mit Mangrovenwäldern und großen Sumpfgebieten in denen auch Krokodile leben. Dort lebten bis ca. 1600 aber auch die Ureinwohner Kubas - das indianische Volk der Taino. Sie werden in Kuba sehr verehrt, denn sie haben heldenhaften - wenn auch vergeblichen – Widerstand gegen die Spanier geleistet. Wir sind mit einem Motorboot (es hieß „Titanic“) bis zum legendären Schatzsee gefahren – dort sollen die Vorfahren der Indianer riesige Goldschätze versteckt haben. Die Spanier versuchten mit Folter aus den Indianern das Versteck herauszubekommen. Vergeblich – denn diesen Schatz hat es nie gegeben. Es war nur eine Legende. Der letzte große Indianerhäuptling, der gegen die Spanier kämpfte war Guamo. Zu seinen Ehren hat man auf der Halbinsel das Indianerdorf Guamo nachgebaut und das Leben der Indianer liebevoll mit Sandsteinskulpturen nachempfunden. Wir haben auch noch eine Krokodilfarm besucht. Ziemlich unsympathisch diese Tiere. …..

Dann ging es weiter Richtung Süden zur Schweinebucht. Es war April und der verbrecherische Überfall auf die Schweinebucht und der Sieg der Kubaner jährte sich gerade zum 55. Mal. Natürlich wurde durch die Reiseleitung ausführlich darüber informiert. Aber: Die Schweinebucht (eigentlich viele kleine Buchten) ist auch ein bei Kubanern und Touristen sehr beliebtes Ausflugsziel zum Tauchen, Schnorcheln, Baden. Hier im Süden ist das Wasser noch etwas wärmer – eben karibisches Meer. Man kann sich die Ausrüstung zum Schnorcheln ausleihen, es gibt Hängematten am Strand und ein Restaurant mit der besten Pina-Colada Kubas…..Es ist ein Platz zum träumen und träumen und träumen….

Auf der mehrstündigen Rückfahrt merkte man beim Blick aus dem Busfenster einen großen Wandel: Noch vor ein paar Jahren sah man hier: Zuckerrohr, Zuckerrohr und dann wieder Zuckerrohr. Das ist jetzt anders – die Abkehr von der Mono-Kultur ist nicht zu übersehen. Jetzt sieht man große Plantagen mit Mangos, Papayas, Ananas und Bananen. Und angelegte Süßwasserseen, in denen Fische gezüchtet werden. Mehr als die Hälfte der Zuckerfabriken wurden geschlossen – Zuckerrohr wird jetzt vor allem zur Rum-Herstellung gebraucht. Und es wird an einem Medikament zur Senkung des Cholesterinspiegels - hergestellt aus Zuckerrohr – geforscht. Das Medikament steht kurz vor der Zulassung. Die Rückfahrt nach Varadero führte über die einzige Autobahn Kubas: Die Autopista Numero Uno – über 1000 Kilometer lang. Da kann es gar nicht langweilig werden. Denn diese Autobahn ist einmalig. Dort gibt es: Radfahrer, Pferdekutschen, Fußgänger, Kuhherden – ach ja – und Autos. Und: Man darf auf der Autobahn auch wenden. Einen Stau soll es noch nie gegeben haben. Aber es gibt auch eine große moderne Autobahn-Raststätte wo man prima essen kann. Dort gibt es übrigens auch die beste Pina-Colada Kubas.

Am nächsten Tag ging es nach Matanzas. Eine typische Provinzhauptstadt in Kuba ca. 100 Kilometer östlich von Havanna – noch vor 70 Jahren war es die Stadt der Zuckerbarone. Wir fuhren mit einem Linienbus – vor einigen Jahren noch eine unbekannte Größe in Kuba – aber auch jetzt noch Mangelware. In Matanzas begab ich mich wieder auf Spurensuche: Natürlich in den Stadtteil Versalles. Hier habe ich 1999 als Teil der DKP-Solidaritätsbrigade Che-Guevaramit mitgearbeitet – natürlich mit der Hilfe vieler fleißiger kubanischer Bauarbeiter – die Familienarztpraxis Celia Sanchez Manduley zu errichten. Benannt nach der Revolutionärin, Politikerin und späteren Lebensgefährtin Fidel Castros. Ich fühlte mich gleich wieder wie zu Hause . Vor der Arztpraxis wurde inzwischen ein schöner Garten angelegt und im Wartezimmer hängen immer noch die UZ-Fotos von den Aufbauarbeiten. Von dort war es nur ein kleiner Fußmarsch - vorbei an den Flüssen Yumuri und San Juan (Alexander von Humboldt ging hier auch schon am Flußufer spazieren) und dem Sato-Theater, dem größten Theater der Karibik, bis hin zum „Place de la Libertad“ mit der großen José Marti Statue. Und wie immer auf diesem Platz war wieder schwer was los: Eine mexikanische Musikgruppe spielte, na ja, sehr laut. Die kleinen Balettschülerinnen des Theaters übten im Freien „Schwanensee“ und es wurde ein Skate-Board-Turnier ausgetragen. Es gab Eis und bunte Zuckerstreussel. Und natürlich einen Stand mit der besten Pina-Colada Kubas. Abends fuhren wir dann erschöpft, aber glücklich wieder mit dem Bus nach Varadero zurück. Dann ging es für 2 Tage nach Pinar de Rio – dem Tabakanbaugebiet von Kuba. Da gibt es nicht nur Tabak- sondern einen großen Nationalpark mit einer Traum-Landschaft – großen Tropfsteinhöhlen mit unterirdischen Seen – einfach grandios. Über Nacht blieben wir in einem hübschen kleinen Bungalow-Hotel. Die Mücken auch. Nach einem tollen Frühstück – der kubanische Café ist grandios- ging es weiter nach Havanna. Havanna kann man schlecht beschreiben – Havanna muss man sehen, riechen, fühlen, schmecken. Die Stadt zieht jeden in ihren Bann. Mit ihrem Tempo, ihrem Rhythmus. Es hat sich seit 1999 einiges hier verändert. Viele der prachtvollen Bauten sind restauriert – Havanna ist bunter und schöner geworden. Überall – vor allem in den Nebenstraßen – hängen jetzt Schilder “Bed and breakfast“. Aber vieles machte auch nachdenklich: Das große Internet-Cafe der Firma Google, die Modenschau mit Lagerfeld und der Firma Chanel, die Prada-Geschäfte mitten in der Altstadt. Aber: Jose Marti steht immer noch auf seinem Sockel mitten in Havanna und zeigt wie anklagend in die Richtung der USA-Botschaft. Und auf der Straße reißen die Menschen den Zeitungsverkäufern die „Granma“ aus der Hand. Es ist gerade Parteitag der KP-Kubas und alle wollen die Rede Fidels lesen. Als wir vom Flughafen Varadero Richtung Heimat starten wollten, fiel das gesamte Buchungssystem auf allen Flughäfen Kubas aus. In der Wartezeit dachte ich natürlich sorgenvoll an unseren Anschlussflug in Toronto. Aber dann dachte ich auch: Vielleicht müssen sie uns dann hierbehalten. Haben sie aber nicht – nach einer Stunde funktionierte alles wieder. Wir sehen uns sicher in der „Casa-Cuba“ auf dem ZU-Pressefest. Da gibt es übrigens die beste Pina-Colada von………..
Ingeborg Lohse-Geserick

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